Warum tut sich Huub Stevens das eigentlich an? Wieso hat sich der 65-Jährige breitschlagen lassen, nach der Entlassung von Domenico Tedesco ein drittes Mal den FC Schalke 04 zu trainieren? Ist es eine Herzensangelegenheit, wie Stevens selbst und nostalgietrunkene S04-Fans gerne behaupten? Oder ist der Huub am Ende doch einer vom Schlage Ottos, der wie Rehhagel einst absolut zeit- und grenzenlos von den eigenen Fähigkeiten überzeugt ist und den Ruf des geschundenen Klubs mit prallem Wohlwollen zur Kenntnis genommen hat? Natürlich hatte Rehhagel großartige Erfolge mit Bremen, Kaiserslautern und der griechischen Nationalmannschaft, natürlich ist Stevens zurecht Schalker Jahrhunderttrainer, aber irgendwann ist eben eines jeden Zeit vorüber. Rehhagel hatte 2010 mit dem Abgang bei den Hellenen seine Trainerkarriere beendet. Er war damals 72 – und kam anderthalb Jahre später im Februar 2012 mit großem Tamtam auf die Bühne zurück. Rehhagel wollte Hertha BSC vor dem Abstieg bewahren, auch für ihn war es eine Herzenssache, hatte Jung-Otto doch für die alte Dame aus der Hauptstadt gekickt. Rehhagel lieferte manches altbekannte Zitat (vorzugsweise von Goethe), aber zu wenig Punkte. Am Ende stieg Hertha ab.

Huub Stevens muss mit dem FC Schalke nach Dortmund, danach kommen die erstarkten Augsburger in den Pott, ehe es nach Leverkusen geht – das könnte mit null Punkten ausgehen. Zum Abschluss kreuzt dann der VfB Stuttgart auf, der gerade einen Trainer aus der eigenen Juniorenabteilung auf den Chefcoachposten gehievt hat – was, wenn der mit den VfB-Kickern plötzlich punktet und die Partie am 34. Spieltag zum Finale um den direkten Klassenerhalt wird? Otto lässt grüßen, möglich, dass der Huub ein unerwünschtes königsblaues Wunder erlebt – Herzschmerz inklusive!