Am Ende war das Wörter-Stakkato. Irrsinn, sensationell, göttlich. Drei Tore in den letzten sieben Minuten erzielte der FC Barcelona gegen Paris St. Germain, dann stand es 6:1, die Barça-Kicker bildeten einen Menschenknäuel der Glückseligkeit und auf den Rängen heulten die Fans vor Freude. Im italienischen "Corriere dello Sport" hieß es gestern: "Es gibt Fußballmannschaften, die aus einem Animationsfilm stammen könnten, wo sich das Unmögliche in Wirklichkeit verwandelt. Jene Geschichten, zu denen man sagt: Das ist zu viel, aber schön, davon zu träumen. Genau das ist in Barcelona passiert." Die Begeisterung ist nachvollziehbar, und doch verbergen sich hinter dem Unglaublichen banale Wahrheiten.


PSG-Trainer Emery hatte sein Team viel zu defensiv eingestellt, vom Elan beim 4:0-Hinspielsieg war nichts zu sehen, und als Neymar in der 88. Minute das 4:1 erzielt hatte, herrschte endgültig das nackte Chaos bei den Parisern. Wie kann man in der letzten Minute der Nachspielzeit auf Abseits spielen, statt den Strafraum zu verrammeln, um den allerletzten Flankenball abzuwehren? Und dann war da eben auch noch Schiedsrichter Deniz Aytekin. Der hatte Barça-Stürmer Luiz Suárez nach einer ersten Schwalbe Gelb gezeigt, fiel dann aber in der 90. Minute doch auf die Schauspielkunst des Uruguayers herein und gab Elfmeter, den Neymar zum 5:1 nutzte. "Professionell, eiskalt" habe sich Suárez verhalten, urteilte bei Sky die Expertenrunde mit Lothar Matthäus, Stéphane Chapuisat und Florian Kringe. Man hätte stattdessen auch unverschämt sagen dürfen, nur hätte das natürlich nicht zum Wunder von Barcelona gepasst.

 

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