Die Sorgenbilder dieses Winters kommen aus dem Schwarzwald. Zu sehen sind keine idyllischen Winterlandschaften oder herrlich weiß bedeckte Berggipfel, sondern eine vom warmen Wetter ramponierte Skisprungschanze. Grüne und graue Flecken, Matsch, Dreck und ein Rest von Kunstschnee, die die Anlage in Titisee-Neustadt im Dezember 2018 einem Schlachtfeld gleichen ließen.

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Zum Abschluss des Winters gab es am vergangenen Wochenende eine mit Kunstschnee bedeckte Loipe in Schonach, mitten im Grünen gelegen, garniert mit deftigen Graupelschauern.

Viele Fans in Schonach

Die Stimmung in Schonach war trotzdem gut. Gut 10 000 Fans waren am Wochenende zum Weltcupfinale der Nordischen Kombinierer gekommen. Eine Zahl, die zufriedenstellt. Und der Termin Mitte März gefällt den Organisatoren trotz aller Probleme auch. „Wir haben dadurch mehr Zeit, uns vorzubereiten“, sagt Heidi Spitz vom Organisationskomitee. Vor allem, um Schnee zu produzieren. Gefühlt beginne der Winter Jahr für Jahr später. Also erst Anfang Januar mit richtig kalten Temperaturen und Naturschnee.

Weißes Band in grün-brauner Landschaft beim Weltcup Nordische Kombination Schwarzwaldpokal 2019
Weißes Band in grün-brauner Landschaft beim Weltcup Nordische Kombination Schwarzwaldpokal 2019 | Bild: Joachim Hahne

Nur Naturschnee reicht nicht

Die größte Herausforderung für die Organisatoren ist die 2,5-Kilometer-Langlaufstrecke. Das Schneedepot neben der Loipe spielt hier eine entscheidende Rolle. Nur mit Naturschnee – falls der überhaupt fällt– ist ein solcher Weltcup nicht möglich. Das ist auch in Titisee-Neustadt nicht anders. Auch dort gibt es ein Schneedepot, das direkt neben der Schanze angelegt ist. Nur wenn plötzlich, wie im Dezember 2018, milde Temperaturen und Regen die Schanze heimsuchen, ist eine Absage die logische Konsequenz.

Snow Factory heißt das Produktionssystem, mit welchem der künstliche Maschinenschnee auf der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt produziert wird.
Snow Factory heißt das Produktionssystem, mit welchem der künstliche Maschinenschnee auf der Hochfirstschanze in Titisee-Neustadt produziert wird. | Bild: Joachim Hahne

Der Wintersport hat wettertechnisch zwar nicht das allerschwierigste Jahr erlebt, er muss sich als Freiluftsport bei stetig steigenden Temperaturen und fortschreitenden Gletscherschmelzen aber immer neuen Herausforderungen stellen. „Es ist nicht mehr ein Problem, was uns am Anfang des Winters trifft oder am Ende, sondern es kann zu jedem Zeitpunkt problematisch werden“, sagte Skisprung-Rennleiter Walter Hofer.

Immer kommt etwas dazwischen

Wenn der Ski-Weltverband Fis im Sommer seinen Kalender plant, sind die Wochenenden von November bis März durchgetaktet. Der abgelaufene Winter bei den Alpinen zeigt aber, wie wenig Bedeutung das erste Papier teilweise haben kann. Zu wenig Schnee, zu viel Schnee, zu viel Wind: Immer wieder kommt etwas dazwischen, am Saisonende bilanzierten der zurückgetretene Felix Neureuther, Viktoria Rebensburg und Co. fünf verschobene Rennen und sechs Absagen.

Durch ein Depot neben der Schanze in Titisee-Neustadt ist immer ausreichend Schnee vorhanden. Der wird dann mit Lastwagen die wenigen Meter zur Schanze gebracht.
Durch ein Depot neben der Schanze in Titisee-Neustadt ist immer ausreichend Schnee vorhanden. Der wird dann mit Lastwagen die wenigen Meter zur Schanze gebracht. | Bild: Hahne, Joachim

Für Alpinchef Wolfgang Maier war im vergangenen Winter gar nicht mal der fehlende Schnee das Problem. „Aber die Gesamtsituation ist extrem. Seit Ende Januar sind wir eigentlich fast kein einziges Rennen mehr unter ruhigen Bedingungen gefahren: Sturm, Regen, Schnee, Temperaturschwankungen – das ist schon eine Veränderung“, sagte Maier.

Die Vorbereitung leidet

Die Alpinen sind auch außerhalb ihrer Saisonmonate massiv involviert, wie der Funktionär des Deutschen Skiverbandes (DSV) einordnete: „Die Vorbereitung leidet, der Winter wird kürzer und wärmer. Wir haben jetzt März und die Tagestemperaturen liegen, wenn du nicht ganz oben am Berg bist, zwischen fünf und 15 Grad.“ Christian Neureuther, Vater von Felix, hatte die Entwicklung vor der Saison als „wirklich dramatisch und beängstigend“ eingestuft. Der 69-Jährige muss es wissen, schließlich kennt er die Verhältnisse als Aktiver aus den 70er-Jahren.

Die Langläufer, Kombinierer und Biathleten (nur zwei Absagen wegen zu kalter Temperaturen) hatten einen vergleichsweise störungsfreien Winter, doch wenn Fabian Rießle und Co. wie am Sonntag auf einer präparierten Loipe im sonst grünen Schwarzwald laufen, kommt bei Zuschauern und Aktiven kaum noch Wintersport-Feeling auf.

Nasser Schnee macht Probleme

Auf das Klima haben die Organisatoren keinen Einfluss, sie können sich mit Schneedepots und Planung nur auf Extremfälle vorbereiten. Bei den Skispringern sind zudem weitere Vorkehrungen getroffen worden. „Wir haben eine Technik zur Verfügung, die uns zu 95 bis 97 Prozent von den äußeren Bedingungen autark macht“, sagte Rennleiter Hofer, „was uns noch Schwierigkeiten macht, ist nasser Schnee. Das ist etwas, das uns noch beeinträchtigen könnte. Ansonsten kann es regnen oder schneien, den Schnee kriegen wir aus der Anlaufspur raus.“