Es war Nacht in Mainz – und es ist Nacht über dem Fußball. Tiefe Nacht. Oder anders formuliert: Da ist ein schwarzes Loch namens Videobeweis.

In Mainz hat es jetzt den ersten Elfmeter in der Halbzeit gegeben (zum Spielbericht). Der Freiburger Kempf hatte nach einer scharfen Flanke des Mainzers Brosinski den Ball mit der Hand berührt. Diese war deutlich vom Körper weg, aber Brosinski war auch nur vier Meter entfernt gewesen.

Der Ball veränderte seine Flugbahn so gut wie nicht, ein Mainzer wäre so oder so nicht an ihn herangekommen. Schiedsrichter Winkmann ließ weiterspielen, sein bestens postierter Kollege Bros an der Seitenlinie hatte auch keinen Grund gesehen, zu intervenieren. Die im Kölner Keller sitzende Videoassistentin Steinhaus schon, allerdings erst nach weit über drei Minuten.  Warum, wenn es doch so klar gewesen sein sollte?

Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf

Dann nimmt der Wahnsinn seinen Lauf. Die Freiburger Spieler sind schon in der Kabine, die Schiedsrichter hatten das Spielfeld der Opel-Arena auch schon verlassen. Nur die Mainzer lamentieren noch. Und plötzlich kommt Winkmann zurück, malt das Rechteck für Videobeweis in die Luft und gibt Elfmeter für Mainz. Alle 22 Spieler müssen zurück auf den Rasen, bis De Blasis zum 1:0 für Mainz treffen kann, vergehen über sieben Minuten. Die Szenen im Video können Sie hier nachschauen.

Und nun? Verdächtig schnell meldet sich die DFB-Schiedsrichterkommission. Und sagt was? Natürlich, dass alles in Ordnung war. Tolle Leistung von Frau Steinhaus, tolle Leistung von Herrn Winkmann. Und regeltechnisch sei alles okay, weil der Halbzeitpfiff anders als etwa der Schlusspfiff das Spiel nur genau so unterbreche wie jeder andere Pfiff des Schiedsrichters. Das Spiel sei im Sinne der Regel also nicht fortgeführt gewesen.   

Stimmt das tatsächlich? In der DFB-Regel 5, Version 2017/18, steht so einiges in zweitklassigem Deutsch, aber eben auch dieses – Zitat: „Wenn der Schiedsrichter die erste oder zweite Halbzeit (inklusive Nachspielzeit) beendet und das Spielfeld verlassen hat, darf der Schiedsrichter eine Entscheidung nicht ändern, wenn er feststellt, dass diese nicht korrekt ist oder von einem anderen Spieloffiziellen einen Hinweis erhalten hat.“ Zitat-Ende!