Der FC Bayern München will den 19. Pokalsieg und das zwölfte Double. Für RB Leipzig ist es etwas ganz Großes, weil der Klub aus Sachsen sich zum ersten Mal auf dieser Bühne zeigen darf. Der Meister gegen den Dritten, ganz Fußball-Deutschland freut sich auf das 76. DFB-Pokal-Finale, das heute um 20 Uhr (ARD) im Berliner Olympiastadion angepfiffen wird. Ein Highlight ist dieses Spiel auch für die beteiligten Spieler, für einen aber ist es noch mehr. Für Bayern-Trainer Niko Kovac geht es wohl um nicht weniger als um seinen Job.

Abschlusstraining der Bayern vor dem DFB-Pokalfinale.
Abschlusstraining der Bayern vor dem DFB-Pokalfinale. | Bild: Jan Woitas/dpa

Zwar hat Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Freitag in Berlin auf einer Veranstaltung der „Bild“-Zeitung gesagt, es habe „niemand infrage gestellt, dass er nächste Saison noch unser Trainer ist“ und zudem erklärt: „Es wäre verrückt, wenn man von einem Spiel die Zukunft abhängig macht.“ Das klingt gut, macht die Lage aber nicht besser für Niko Kovac. Verliert der FC Bayern und der Kroate muss trotz eines Vertrags bis 2021 seinen Hut nehmen, wird Rummenigge argumentieren, nicht diese Niederlage sei der Grund dafür, sondern das Zusammenspiel des Trainers Kovac mit seiner starbesetzten Truppe zu problembeladen gewesen. Siegen die Münchner, ist es für die Klubbosse ein Leichtes, Kovac ihren Segen für ein weiteres Jahr Beschäftigung zu geben, weil ja sowieso selbstverständlich.

Niko Kovac küsst die Meisterschale.
Niko Kovac küsst die Meisterschale. | Bild: Tobias Hase/dpa

Kovac, die Bayern und viele Probleme? Das ist nicht von vornherein falsch, wenn man im Rückblick die neun Punkte Rückstand in der Liga auf Borussia Dortmund noch mal sieht. Oder man das Rückspiel im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool (1:3) als vertane Chance betrachtet, weil der Trainer seinen Kickern zu wenig Offensive ans Herz gelegt hatte. Aber trotz Herbstkrise, Dauerstress und Nebenkriegsschauplätzen – der FC Bayern mit Niko Kovac ist daran nicht zerbrochen, sondern hat in einer starken Rückrunde die Aufholjagd geschafft und Dortmunds Meisterschaftsträume ruiniert. Folgen heute Pokalsieg und Double, gilt das Wort von Joshua Kimmich: „Viel mehr kann man ja kaum erreichen.“ Oder doch nicht?

Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand

Gerade die Spieler, wird in Münchner Medienkreisen diskutiert, hätten dafür gesorgt, dass Rummenigge ein besonderes Auge auf den Trainer geworfen habe. Die Liste der Vorwürfe hinter vorgehaltener Hand soll eine lange sein, wie die „Bild“-Zeitung berichtete. Kovac fehle das Fingerspitzengefühl im Umgang mit einigen Stars, erkläre ihnen nicht, warum sie plötzlich auf der Bank oder gar auf der Tribüne sitzen. Die Südländer im Kader vermissten Wertschätzung. Bei Fehlverhalten (etwa Zuspätkommen zum Training oder die Schlägerei zwischen Lewandowski und Coman) lasse Kovac Konsequenz vermissen. Und, dies vor allem, Kovac‘ Spielanalysen seien unklar, er habe taktische Defizite und mache keinen Spieler besser. Mehr Vorbehalte gehen nicht, aber stimmt das so?

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Als Indiz für ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Trainer und Spielern wurde am vergangenen Samstag nach gewonnener Meisterschaft so manches gewertet: dass Niko Kovac, anders als seine Vorgänger Heynckes und Guardiola, nicht von den Spielern in die Luft geworfen worden sei; dass kein Kicker dem Trainer die Schale für ein Foto in die Hand gedrückt habe; dass bei der Party auf dem Nockherberg Kovac nur eine Randfigur gewesen sei, ohne Begrüßung durch den Moderator, ohne selbst ein Wort zu sagen. Alles so beabsichtigt, Ausdruck eines innerlich längst erfolgten Abschieds? Oder eher freudentrunkene Nachlässigkeit?

Zuspruch von Stefan Effenberg

Niko Kovac selbst sagte, nachdem er in der Arena von den Bayern-Fans gefeiert worden war, er sei überzeugt, „dass es weitergeht“. Er wisse das aus erster Hand – womöglich also von Uli Hoeneß, der erklärte: „Das habe ich wahrgenommen, und es hat mir gutgetan.“ Dazu Bayern-Legende Stefan Effenberg: „Das war entscheidend für Kovacs Zukunft. Wenn die Verantwortlichen das ignorieren, zweifle ich am Verstand der Vereinsführung.“

Heute also, das Spiel der Spiele in Berlin. Ob es Niko Kovac genießen kann, steht dahin.