Herr Stolz, sind Sie eigentlich ein
geduldiger Mensch?

Ja, das würde ich schon sagen. Ich glaube, das habe ich über die Jahre gelernt. Mit dem Alter bin ich geduldiger geworden. Geduld ist Lebenserfahrung.

Als Ersatztorwart müssen Sie auch beruflich Geduld mitbringen. Sie sind seit bald sieben Jahren bei der TSG Hoffenheim, haben aber erst 17 Minuten in der Bundesliga gespielt.

Ich glaube nicht, dass bei meinem Job Geduld das Allerwichtigste ist. Es geht eher darum, dass man seinen Job liebt. Dass man jeden Tag ehrgeizig auf dem Platz steht. Ich muss die Situation annehmen, so wie sie ist.

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Sie sind wie ein Feuerwehrmann, der ständig für den Einsatz übt. Wenn die anderen ausrücken, schauen Sie aber nur zu. Frustriert das nicht?

Ich glaube, dem Feuerwehrmann macht sein Job nicht so viel Spaß wie mir. Der ist froh, wenn er nicht ausrücken muss.

Das kann schon sein.

Ich würde natürlich auch lieber spielen. Ich hätte nichts dagegen, mal in einem mit 30 000 Fans vollbesetzten Stadion zu spielen – und die Leute rufen meinen Namen. Stattdessen mache ich am nächsten Tag das Ersatztraining vor ein paar Zuschauern in Zuzenhausen.

Wie gelingt einem das?

Wenn man auf meinen Karriereweg schaut, dann hätte das sicher nicht jeder so bewerkstelligt, immer hinten dran zu sein, aber trotzdem nicht aufzugeben – und jetzt im Bundesligakader zu stehen.

Tut es nicht weh, wenn man in Dortmund, wo zuletzt Eric Oelschlägel für die erkrankten Stammkeeper ran durfte, vor 80 000 Zuschauern nur auf der Bank sitzt?

Mit Sicherheit würde ich gerne mal vor dieser gelben Wand spielen. Klar, dieser Adrenalinkick fehlt natürlich. Aber beim Aufwärmen habe ich ja auch das Vergnügen.

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Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein Ersatztorwart mitbringen sollte?

Immer vorangehen. Als Nummer eins brauchst du jemanden, der dich unterstützt, aber nicht streichelt. Auf jeden Fall einen Typen mit positivem Charakter. Die anderen Jungs müssen sich an einem hochziehen können.

Gibt es eine WhatsApp-Gruppe der Bundesliga-Ersatztorhüter?

Das nicht. Aber man schaut schon, wie sich die anderen Torhüter für den Fall der Fälle vorbereiten, man unterhält sich bei den Spielen mit den Kollegen.

Sind Sie noch nie auf den Trainer zugegangen und haben gesagt: Mensch, schenk mir doch mal ein Spiel!

Nein, ich will immer nur am 13. Oktober etwas geschenkt bekommen. Da habe ich Geburtstag. Ich will mir das erarbeiten.

Vor fast zehn Jahren beim VfB Stuttgart hatten Sie großes Pech.

Wir hatten damals einen Vier-Wochen-Rhythmus, in dem Sven Ulreich und ich uns als Ersatzmann auf der Bank abgewechselt haben. Ulreichs Glück war damals, dass VfB-Keeper Jens Lehmann vom Platz flog, als er dran war. Ulle kam aus der eigenen Jugend, da war klar, dass er die neue Nummer eins beim VfB wird. Wie heißt es so schön: Manchmal bist du der Baum, manchmal der Hund.

Alexander Stolz (links) 2009 im Training beim VfB Stuttgart mit Jens Lehmann.
Alexander Stolz (links) 2009 im Training beim VfB Stuttgart mit Jens Lehmann. | Bild: epa efe Eduardo Abad/dpa

Sie waren beim VfB Stuttgart, dann beim Karlsruher SC, jetzt in Hoffenheim. Wieso hat es nie geklappt als Nummer eins?

Es kam immer vieles zusammen. Da gibt es auf einmal einen Trainerwechsel – und der Neue steht nicht mehr so auf dich. Ab einem gewissen Alter möchte ein Club vielleicht eher jemand Jüngeren als Nummer eins. Es gehört auch eine Portion Glück dazu. Das hatte ich ja auch: Ich war ein Jahr ohne Verein, bis 2012 Hoffenheim auf mich zukam. Ich war damals schon auf dem Weg, Polizist zu werden. Ich kann sagen: Mir geht es gut, ich fühle mich pudelwohl. Mich macht glücklich, was ich mache.

Bis zur Winterpause waren Sie die Nummer drei. Gregor Kobel wurde nach Augsburg verliehen, jetzt sind Sie zur Nummer zwei aufgestiegen.

Der Verein hat darauf verzichtet, einen Torhüter zu holen, das ist ja auch nicht selbstverständlich. Es zeigt vielleicht auch, wie wichtig ich für die Mannschaft, wie wichtig ich für den Verein bin. Es zeigt, was ich über die Jahre hier geleistet habe.

Das aktuelle Mannschaftsbild der TSG 1899 Hoffenheim. Alexander Stolz sitzt auf dem Bild bei den Torhütern in der Mitte der ersten Reihe ganz rechts.
Das aktuelle Mannschaftsbild der TSG 1899 Hoffenheim. Alexander Stolz sitzt auf dem Bild bei den Torhütern in der Mitte der ersten Reihe ganz rechts. | Bild: Uwe Anspach/dpa

Wie groß ist der Traum, noch ein zweites Bundesligaspiel zu machen?

Der ist natürlich immer da. Du weißt nie, was passiert. Es geht manchmal schnell.

Eigentlich muss man ja immer hoffen, dass der Nummer eins etwas Schlechtes widerfährt.

Nein, so gehässig bin ich nicht. Oliver Baumann muss keine Angst haben, dass ich ihm etwas ins Essen mische (lacht). Mir ist klar, dass es von der Leistung her keinen Torwartwechsel geben wird. Oliver Baumann ist auf einem sehr, sehr hohen Niveau. Fußballerisch können nur wenige Torhüter mit ihm mithalten. Er gehört sicherlich zu den besten Torhütern in Deutschland.