2004 holte ihn Jürgen Klinsmann zum Deutschen Fußball-Bund, als der das Amt des Bundestrainers antrat. Eine bewusste Wahl, denn wie Bierhoff passt auch der Schwabe in keine Schublade. Klinsmann krempelte nicht nur die Nationalmannschaft um, er runderneute im Duett mit Bierhoff den gesamten DFB.

Die beiden machten aus einem verkrusteten, altbackenen Verband ein modernes, zukunftstaugliches Unternehmen. Und mit Jogi Löw holte sich „Klinsi“ auch den notwendigen Fußball(taktik)-Fachmann ins Boot. Seit Klinsmanns freiwilligem Abgang 2006 bestimmt das Duo Löw/Bierhoff. Der Trainer als Dirigent von hoch talentierten Fußballern, der Manager als Vermarkter der Nationalelf, als Lenker hinter den Kulissen. Ein Duo, das viele Jahre nahezu perfekt funktionierte, zusammen Rückschläge meisterte und große Erfolge feierte.

Doch jetzt gibt es einen Riss, Ursachen noch nicht bekannt. Fakt ist, die Weggefährten haben sich unterschiedlich entwickelt. Löw ist es zuletzt nicht mehr gelungen, seine Mannschaft weiter oder gar neu zu entwickeln. Bierhoff aber, der Stillstand hasst, ist vom Teammanager zum DFB-Direktor aufgestiegen und Chef von über 100 Mitarbeitern. Er kann nahezu schalten und walten, wie er möchte – intern gibt es Stimmen, die von einer „Bierhoffisierung“ des DFB tuscheln.

Konkret hat der 50-Jährige, der ein Wirtschafts-Fernstudium als Diplom-Kaufmann abschloss, die Vermarktung der Nationalelf vorangetrieben und sie zur cash cow des Verbandes gemacht. Sie ist „Die Mannschaft“, deren Spieler etwas Besonderes sind. „Best neVer rest“ lautet der neueste Slogan, was so viel heißt wie: Die Besten ruhen sich nie aus. Jetzt, bei der WM, dann leider doch?

Der Herr Direktor ist auch zuständig für den mit Hohn und Spott bedachten Hashtag #zsammn, er entscheidet, dass das Quartier im Trainingslager hinter Planen verschwindet, und er ist verantwortlich dafür, dass Familien ausgesperrt bleiben, wenn sie mal kurz den deutschen Kickern bei Übungseinheiten zuschauen möchten. Damit steht Bierhoff für die inzwischen deutlich so wahrgenommene Entfremdung der Nationalmannschaft von ihren Fans – von wegen zsmm, das ist einfach schlecht.

Nun muss Bierhoff DFB-Präsident Grindel eine WM-Analyse liefern, die alle Facetten beinhaltet, also auch seine eigene Arbeit. Der Machtmensch will das „knallhart“ erledigen, aber das Sportliche wird im Vordergrund stehen. Wird der Riss zwischen Bierhoff und Löw größer, wäre letzterer der Verlierer.