Die vergangenen Jahrzehnte im deutschen Profi-Fußball sind wesentlich geprägt durch herausragende Charaktere und echte Typen, die über viele Jahre in den Schaltzentralen der Bundesliga-Clubs sitzen oder saßen – in guten wie in schlechten Zeiten.

„Wir haben uns viele Schlachten geschlagen, wir haben uns gefetzt und immer gemocht. Wir haben uns aber auch nach den Spielen, wo es hoch hergegangen ist, immer wieder prima verstanden“, sagte Bayerns Aufsichtsratschef und Vereinspräsident Uli Hoeneß beim Pokal-Sieg der Münchner in Berlin. Kurz zuvor war die Nachricht vom Tod des langjährigen Schalke-Managers Assauer bekannt geworden. „Rudi Assauer war ein richtiger kerniger Typ, der dem Fußball unheimlich gut getan hat. Wir waren auch privat befreundet“, betonte Hoeneß. Nicht nur die Betroffenheit von Hoeneß zeigt, wie eng und von großem Respekt geprägt das Verhältnis zwischen den wohl letzten deutschen Fußball-Patriarchen trotz der großen sportlichen Rivalität ihrer Clubs war. Rainer Calmund, Bayer Leverkusens schwergewichtiger Ex-Manager, erfuhr vom Tod des seit Jahren an Alzheimer erkrankten Weggefährten in Thailand. Es sei ein „schwerer Verlust für Schalke und den deutschen Fußball“, ließ Calmund mitteilen. „Rudi war Energie pur und eine der prägenden Figuren des deutschen Fußballs der vergangenen fünf Jahrzehnte – als Spieler, als Manager und vor allen Dingen als Architekt des neuen FC Schalke.“ Er werde ihn sehr vermissen – wie der gesamte deutsche Fußball. Ein Mann, ein Wort.

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Mündliche Absprachen, Bierdeckelverträge und ein Handschlag statt seitenlange juristisch verklausulierte Vertragswerke – das war einmal. Im weltweit vernetzten und von Beratern mit beeinflussten Millionen-Geschäft ist für Fußball-Romantik kein Platz mehr. Bei der jungen Spielergeneration werden von Lothar Matthäus, Stefan Effenberg & Co. teils zu Recht echte Typen vermisst – mit dem Mut zu nicht von den Clubs zuvor glattgebügelten Aussagen. Das gilt in fast gleichem Maße für Funktionäre. Unverwechselbarkeit geht verloren. (dpa)

Die letzten Patriarchen der Fußball-Bundesliga

  • Rainer Calmund:
    30 Jahre war Reiner Calmund für Bayer 04 Leverkusen aktiv, zunächst als Jugendleiter und Stadionsprecher, bis 1988 war er außerdem Vorstandsmitglied. Anschließend übernahm „Calli“ den Posten des Managers der Profifußballabteilung und wurde 1999 schließlich Geschäftsführer der Bayer Fußball-GmbH, ehe er den Club 2004 verließ. Der füllige Calmund war bekannt für flotte Sprüche und als Feind „von Magerquark und Grünzeug“.