Jahrhundertspiel? In Deutschland denkt man da sofort an die WM-Partie 1970, als Italien im Halbfinale gegen Deutschland mit 4:3 nach Verlängerung gewann. Oder das 7:1 gegen Brasilien vor vier Jahren. Manche Spiele vergisst man eben nicht. Und es muss nicht immer Fußball sein.

Das Jahrhundertspiel 1972 im isländischen Reykjavík zwischen dem damaligen Weltmeister Boris Spasski und Herausforderer Bobby Fischer um die Krone im Schach blieb uns in Erinnerung. 

Es muss nicht immer Fußball sein

Die, die es miterlebt haben, erzählen noch heute vom Fischer, das Jahrhundertgenie aus den USA, ist laut, anmaßend, exzentrisch. Spasski vertritt den politischen Gegner Russland, dessen Spieler diesen Sport seit Jahren dominieren. Ein Spiel der Systeme? Es wird eine Partie der Psychospielchen. Fischer kommt oft zu spät, Spasski muss zunächst auf einem Holzstuhl sitzen, während Fischer im teuren Ledermöbel Platz nimmt. Sieben Wochen dauert der Kampf im Kopf des jeweils anderen. Als Fischer davonzieht, glaubt die sowjetische Delegation an Betrug.

Ein Ingenieur und ein Chemieprofessor aus Island prüfen daraufhin die Luft, scannen die Stühle der beiden Kontrahenten mit Röntgenstrahlen und nehmen selbst die Deckenlampen auseinander. In einer Lampe werden sie schließlich fündig: Dort liegt eine tote Fliege. Die letzte Partie wird am 31. August 1972 gespielt, am Tag darauf bekommt Fischer den Siegerscheck.

Sein weiteres Leben prägen Eskapaden und Skandale, er starb 2008 in Reykjavík, Island. Und Spasski? Sitzt nach zwei Schlaganfällen inzwischen im Rollstuhl. Und gilt trotz der Niederlage im Jahrhundertspiel als einer der begabtesten Spieler überhaupt, wenngleich ihm der unbedingte Wille fehlte, sein Potenzial voll auszuschöpfen. In Interviews bezeichnete er sich daher selbst als „faulen russischen Bären“.

 

Der Autor dieses Textes Dirk Salzmann.