Es war tatsächlich Christian Streich, der gestern bei der Pressekonferenz des SC Freiburg vor der Partie gegen den VfB Stuttgart am Sonntag (18.00 Uhr) auf dem Podium saß. „Vor zwei Wochen wäre es nicht denkbar gewesen, dass ich heute hier sitze“, sagte der 53-Jährige, ehe er sich dem badisch-schwäbischen Duell widmete.

Nach Bandscheibenbeschwerden wieder da: Christian Streich, Trainer des SC Freiburg (links), mit Pressesprecher Sascha Glunk auf dem Weg zur Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. <em>Bild: Hahne</em>
Nach Bandscheibenbeschwerden wieder da: Christian Streich, Trainer des SC Freiburg (links), mit Pressesprecher Sascha Glunk auf dem Weg zur Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Bild: Hahne | Bild: Hahne, Joachim

Wegen eines Bandscheibenvorfalls hatte Streich die ersten beiden Bundesliga-Partien der Saison verpasst, vom Krankenbett aus aber die Übungseinheiten mit dem Trainerstab abgesprochen. Assistent Lars Voßler, der gegen Frankfurt (0:2) und in Hoffenheim (1:3) auf der Bank gesessen hatte, rückt nun wieder ins zweite Glied. Dem Vernehmen nach hat er seine Arbeit als Streich-Vertreter gut gemacht, doch die Spieler vermissten schon das an der Seitenlinie temperamentvolle Coaching des Chefcoachs, der währenddessen im Krankenhaus lag, „zeitweise nicht gehen konnte“ und „schmerzhafte Ausstrahlungen“ in den ganzen Körper hatte.

Der Fehlstart beider Mannschaften war perfekt

Für das Spiel der beiden Fehlstarter – beide Teams verloren die ersten beiden Bundesligaspiele, der VfB schied zudem im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock aus – fehlt den Südbadenern neben den Rekonvaleszenten Brandon Borrello und Amir Abrashi nur Stürmer Tim Kleindienst, der sich unter der Woche einen Innenband-Teilanriss zuzog. Offen ist noch die Besetzung der rechten offensiven Außenbahn, auf der Janik Haberer den Platz des zuletzt enttäuschenden Luca Waldschmidt einnehmen könnte. Auch der ungarische Last-Minute-Neuzugang Roland Sallai, den Streich via TV im Länderspiel gegen Griechenland beobachtete, in dem er ein Tor schoss, scheint bereits nah an der ersten Mannschaft zu sein, zumindest ein Kaderplatz scheint möglich.

Streich erwartet ein „sehr umkämpftes Spiel“, bei dem die Schwaben zwar „offensiver auftreten werden als gegen die Bayern“, aber dennoch eher darauf aus sein dürften, das Freiburger Spiel zu zerstören und zu kontern. Besonders intensiv sollen sich die Freiburger Abwehrspieler derweil auf einen Mann einstellen, der in schöner Regelmäßigkeit trifft, wenn es gegen den SC geht: Mario Gomez, der gegen den SC sein 300. Bundesligaspiel bestreitet, erzielte in elf Partien zehn Tore gegen Freiburg. „Am Sonntag soll er keins schießen“, fordert Streich, der seinen Abwehrspielern die üblichen Laufwege und Verhaltensmuster des ehemaligen Nationalstürmers zum Auswendiglernen präsentiert hat.

Überhaupt, so der Trainer, „müssen wir künftig besser verteidigen, denn es wird in dieser Saison nicht immer so sein, dass wir so viele Torchancen haben wie bisher.“ In den ersten beiden Spielen hatte der SC am zweitmeisten Gelegenheiten hinter dem FC Bayern, traf aber nur ein Mal. „Furchtbar“, sei diese Quote so Streich, genauso „furchtbar“ wie die Art und Weise, wie die Gegentore fielen.

Neu-Nationalspieler Petersen soll endlich wieder Treffen

So wie die Stuttgarter Hoffnungen auf Mario Gomez ruhen, wünschen sich die Freiburger Fans ein Erfolgserlebnis ihres Lieblings Nils Petersen. Der Neu-Nationalspieler steht nach 180 Bundesliga-Minuten noch ohne Treffer da. Immerhin verzeichnete Petersen acht Torschüsse und traf mit einem Kopfball in Hoffenheim die Latte, aber es klingelte eben nicht im Tor des Gegners. Auch Sturmpartner Florian Niederlechner kam auf acht Torabschlüsse, ebenfalls ohne zählbaren Erfolg. Gomez freilich war mit nur drei Schüssen aufs Tor bislang keine sonderlich große Gefahr für die Gegner. Beim 0:3 gegen den FC Bayern brachte der VfB Stuttgart insgesamt keinen einzigen Torschuss zustande.

Streich warnte gestern dennoch vor dem dreimaligen deutschen Meister und Champions-League-Sieger Gomez. „Du musst genau wissen, in welcher Situation er was macht. Da sind Muster erkennbar, aber er macht es so gut, dass, wenn man es nicht optimal gegen ihn macht, er trotzdem Tore schießt“, analysierte er. „Die Innenverteidiger und Außenverteidiger müssen wissen, wo Mario Gomez in der Regel steht. Klar haben wir uns mit ihm beschäftigt, weil er Qualität hat.“

Und der VfB Stuttgart? Auch Streichs Kollege Tayfun Korkut ist unglücklich über die Null-Ausbeute. „Wir wissen, dass wir zielstrebiger sein müssen im nächsten Spiel. Dass wir auch in die gefährlichen Zonen kommen müssen, wenn wir das Spiel gewinnen wollen“, sagte Korkut. Fehlen wird den Schwaben Offensivspieler Daniel Didavi (Achillessehnenprobleme) und der aus Freiburg zum VfB gekommene Abwehrspieler Marc-Oliver Kempf (Muskelfaserriss im Oberschenkel).

Für das sehnsüchtig erwartete erste Pflichtspieltor bedürfe es im Schwarzwaldstadion einer besseren Gesamtleistung der Mannschaft, betonte Korkut. Die Offensiv-Abteilung müsse mehr in Szene gesetzt werden. „Wir können nicht einfach die Bälle nach vorne hauen und sagen: Macht mal!“

Auf seine Gedanken zur Besetzung der Offensive (wer neben Gomez?) sowie der Innenverteidigung (mit oder ohne Holger Badstuber?) angesprochen, reagierte Korkut gereizt. Er vermied das Nennen von Namen wie der Teufel das Weihwasser. Vielmehr beschwor er „das Gefühl innerhalb der Mannschaft, dass man es am Wochenende besser machen will“. Dazu müssen aber die Abläufe der vergangenen Rückrunde wiedergefunden werden, die verloren gegangen zu sein scheinen. Sonst setzt es im Derby die nächste Niederlage. Der direkte Vergleich immerhin spricht für das Schlusslicht aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Sechs der vergangenen sieben Ligaspiele gegen Freiburg gewannen die Stuttgarter.