In diesem Jahr feiert Ruhpolding 40 Jahre Biathlon-Weltcup. 73 000 Zuschauer an den vier Wettkampftagen machten die Chiemgau-Arena einmal mehr zu einem Hexenkessel mit ohrenbetäubendem Lärm. Einer, den diese grandiose Kulisse samt Gänsehaut-Feeling eher motiviert als nervös macht, ist Benedikt Doll. Dritter Platz im Sprint und Rang zwei mit der Männer-Staffel zeugen von einer Nervenstärk. Die Zwischenbilanz des 28-jährigen Skijägers im Weltcup kann sich sehen lassen. „Ja, ich bin natürlich froh, dass es derzeit so gut klappt beim Schießen“, sagte der Schwarzwälder nach den ersten beiden Wettkämpfen.

Schießleistung ist entscheidend

Läuferisch einer der besten der Welt, hält der Hobbykoch von der Skizunft Breitnau mit den aktuellen Biathlon-Größen wie dem Franzosen Martin Fourcade und dem aktuellen Weltcup-Leader aus Norwegen, Johannes Thingnes Boe, Schritt. Entscheidend für die Platzierung, dies weiß auch Doll, ist die Schießleistung. Mentale Stärke und Konzentration sind der Schlüssel zum Erfolg. Am Sonntag beim Massenstartrennen erlebte er allerdings einen Rückfall in alte Zeiten. Zweimal räumte Doll alles Scheiben ab, insgesamt musste er jedoch viermal in den Strafgarten. Nach den vier Fahrkarten war Doll chancenlos, landete mit einem Rückstand von 1,17 Minuten auf den derzeit schier unschlagbaren Johannes Thingnes Bö auf dem für ihn enttäuschenden 21. Platz.

Erst Weltcupsieg eine Frage der Zeit

Bringt der Schwarzwälder sein Schießen durch, wie beim WM-Titel vor zwei Jahren im Sprint von Hochfilzen, ist der ehemalige Absolvent des Ski-Internats Furtwangen immer ein Sieganwärter. In Ruhpolding schaffte es Doll erstmals in dieser Saison auf das Podest. Aktuell auf Rang sieben im Gesamtweltcup, ist es für den zweifachen Medaillen-Gewinner von Pyeongchang nur eine Frage der Zeit, bis er nach dem Titel im Sprint erstmals auch im Weltcup auf dem obersten Podest steht.

Auch Rees hofft auf WM-Teilnahme

Das WM-Ticket für Östersund (7. bis 17. März 2019) hat Doll in der Tasche. Spätestens nach dem zweiten Platz mit der Staffel darf auch der zweite Schwarzwälder Biathlet Roman Rees noch auf eine Nominierung für die Biathlon-WM in Schweden hoffen. Mit einer tadellosen Schießleistung legte der 25-jährige Schwarzwälder als Startläufer den Grundstein für den späteren zweiten Platz im Teamwettkampf. „Ich freue mich natürlich, vor dieser Kulisse mit einer guten Leistung die Mannschaft im Rennen gehalten zu haben“, erklärte Rees nach dem Wettkampf mit funkelnden Augen. Auch wenn ihm gestern mangels fehlender Weltcup-Punkte ein Start im limitierten Massenstart der besten 30 versagt blieb, gibt sich Rees zuversichtlich. „Ich muss mich im Sommer immer neu für die Weltcup-Mannschaft qualifizieren. Dies war durch Krankheit und Verletzung leider nicht möglich“, erklärt Rees. Nun muss der Spätstarter vom SV Schauinsland bei den Weltcups in Antholz, Canmore und Soldier Hollow sportlich zeigen, dass der Deutsche Skiverband bei der Nominierung nicht am Zöllner aus dem Dreisamtal vorbeikommt.