Was hat dieser Verein nicht alles mitgemacht? Er hat Sönnenkönige erlebt, Vier-Minuten-Meisterschaften gefeiert, drohende finanzielle Pleiten umschifft, schon einmal historische fünf Niederlagen hintereinander kassiert (mit Markus Weinzierl vor zwei Jahren) – und mit einem Newcomer (Domenico Tedesco) auf der Trainerbank in der vergangenen Saison die Vizemeisterschaft gefeiert. Der FC Schalke 04 hat viel erlebt, erlitten und eigentlich immer wieder das Bundesliga-Drehbuch mit den ganz großen Dramen und Tragödien geschrieben.

Auf Schalke haben alle die Ruhe weg

Nach der vierten Saison-Schlappe hintereinander, dem 0:2 (0:1) gegen Bayern München am Samstag nach den Toren vom überragenden James Rodriguez (8.) und Robert Lewandowski (64.) per Elfmeter, sollte man an deren Wiederaufführung auf der Bundesliga-Bühne glauben können, aber danach sieht es nicht aus. Manche vermuteten gar, dass der Revierclub mit dem dicken Fell – resultierend aus Platz zwei der Vorsaison und der Rückkehr in die Champions League – nunmehr (um im Bild zu bleiben) einer Romanfigur ähnele, „die in einer Art Psychotherapie vom Wahnsinn befreit wurde“ („Tageszeitung“). Auf Schalke haben alle die Ruhe weg, auch wenn am Lautstäreregler der Alarmsirenen gedreht wird.

Aber wie lange dauert diese Ruhe vor dem drohenden Sturm? Manager Christian Heidel, bislang neben Tedesco Garant für die Unaufgeregtheit (manche sagen Langeweile), hob schon mal die Stimme nach dem Spiel gegen den Meister. „Es ist immer scheiße, wenn du verlierst, noch schlechter ist es, wenn du vier Mal verlierst – und richtig bitter ist es, wenn du verdient verlierst. Keine Frage, wir müssen den Bock umstoßen.“ Was man halt so sagt, wenn in den nächsten Spielen der SC Freiburg (Dienstag), der FSV Mainz 05, Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen auf die „Knappen“ warten. Immerhin droht, dass der Bock dann immer noch steht und das Drama einen Heldentod fordert.

Tedesco sieht sein Team auf gutem Weg

Tedesco allerdings sieht seine Mannschaft ohne einen Punkt in der Tabelle auf dem Weg nach vorn. „Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht“, glaubte der Trainer Verbesserungen gegenüber den Niederlagen zuvor gegen Wolfsburg, Hertha und Gladbach gesehen zu haben. Eine recht exklusive Meinung – oder Schönfärberei. „Bis zum 0:2 waren wir ja voll im Spiel“, so Tedesco. FCG-Trainer Niko Kovac sah es ähnlich: „Es war ein hartes Stück Arbeit“.

Starke Bayern in bester Laune

Die verrichteten die Bayern in allerbester Manier. „Wir wollten das spielerisch lösen. Wenn man unsere Ballstafetten ansieht, waren die Fehler, die uns im Aufbau unterliefen, höchstens ein paar Krümel“, so Kovac. Schalke war dem nicht gewachsen, hatte nur eine Chance durch Breel Embolos Kopfball (55.), aber Glück, dass David Alabas Distanzschüsse von der Latte abprallten oder Fährmann sie bravourös hielt – und dass James aus vier Metern das leere Gehäuse nicht traf (46.). Viel Glück für Schalke.

Und dann hatte die Regie am Samstagabend doch etwas Theater parat: Franco di Santo (zwölf Tore in 85 Spielen für Schalke) begehrte heftig gegen Tedesco auf ob seiner Auswechselung. Kein guter Stil. Der Coach reagierte sauer. „Halt die Fresse“ war von seinen Lippen als unmittelbare Reaktion abzulesen. Auch kein guter Stil – oder ein Zeichen von aufkommender Dünnhäutigkeit? Di Santo entschuldigte sich öffentlich. Sanktionen gegen den Argentinier sind dennoch zu erwarten. Aber kein Theater auf Schalke. Vorerst.