Wir hatten wirklich keine allzu große Erwartungshaltung an diese Saison. Die Bayern werden Meister, dahinter darf sich der Rest um die Plätze balgen. Das gleiche wie immer, wie bei Dinner for One: Same procedure as last year? Same procedure as every year! Und jetzt? Macht die Liga richtig Laune. Der SC Freiburg hält gut mit, Aufsteiger Leipzig noch mehr. Zeit für eine kleine Liebeserklärung und die Gründe dafür, dass die Leidenschaft neu entfacht ist.


 

  1. .Die Bayern sind gut! Aber gut genug?: Vom ersten Spieltag an standen die Bayern an der Spitze, unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti läuft aber bei Weitem noch nicht alles rund. Thomas Müller, der sonst mit irgendeinem Körperteil immer trifft, hat noch kein Tor in dieser Saison erzielt. Im vergangenen Jahr hatten die Münchner nach zehn Spieltagen bereits sieben Punkte Vorsprung auf Borussia Dormund, gar elf auf den damaligen Dritten Schalke. In dieser Spielzeit musste sich der noch ungeschlagene Rekordmeister bereits mit drei Unentschieden gegen Köln, Frankfurt und Hoffenheim abfinden. Sollte Leipzig heute Abend (20.30 Uhr) in Leverkusen gewinnen, könnte der Aufsteiger nach diesem Spieltag ganz oben stehen, vorausgesetzt die Bayern lassen in Dortmund Punkte liegen.
  2. .Spitzenspiel! Große Emotionen sind am Samstagabend garantiert. Dortmund erwartet den FC Bayern, die beiden großen Widersacher der vergangenen Jahre im direkten Duell. Im Mittelpunkt stehen dabei Mario Götze, der Dortmunder, der einst zu Bayern wechselte und jetzt wieder Dortmunder ist.
    Und Mats Hummels, der beim FC Bayern groß und dann in Dortmund zur Fußball-Ikone wurde, ehe er vor der Saison wieder zum FC Bayern wechselte. Perfekte Bühne für einmalige Geschichten.
  3. .Neuling mit Hundehuus: „Wer freute sich zu Beginn der Saison bestimmt tierisch auf seinen neuen Trainerposten bei einem Fußballbundesligisten?“, lautete dieser Tage die 4000-Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“ für Iordanis Deligiannis (29) aus Lüdenscheid. Zur Auswahl standen drei Fantasienamen – und der des aktuellen Coachs von Bundesliga-Aufsteiger RB Leipzig: Franz Katzenkläpple, Sepp Hundehuus, Ralph Hasenhüttl und Bruno Bärenbüdchen. Der Kandidat entschied sich für „Sepp Hundehuus“ – und flog mit drei Jokern raus. Bei der nächsten Pressekonferenz stellte RB Leipzig seinen Coach als Sepp Hundehuus vor. Der von Traditionilisten gescholtene Aufsteiger gibt sich locker und hat Erfolg. Bleibt die Mannschaft des 49 Jahre alten Österreichers, der natürlich Hasenhüttl heißt, auch heute gegen Bayer 04 Leverkusen ungeschlagen, wären die Leipziger alleiniger Rekordhalter in der Kategorie „Aufsteiger mit der längsten Serie ohne Niederlage“, da der MSV Duisburg 1993 im elften Spiel als Aufsteiger die erste Niederlage kassierte. Übrigens: Kaiserslautern hatte 1997/98 nach zehn Spieltagen 25 Punkte, also lediglich einen mehr als aktuell Leipzig. Am Saisonende jubelten die Pfälzer mit der Meisterschale.
  4. .Starke Retortenclubs: Bayern und Leipzig sind noch ohne Niederlage – und Hoffenheim.
    Jung-Trainer Julian Nagelsmann lässt mit seinen 29 Jahren die Kraichgauer von Zeiten träumen, als sie selbst als Aufsteiger an der Tabellenspitze standen. Mit Leipzig und Hoffenheim sorgen ausgerechnet zwei Retortenclubs für Fußballkultur in der Bundesliga. Wer hätte das gedacht?
  5. .Besser als erwartet: Der 1. FC Köln, Eintracht Frankfurt und die Berliner Hertha? Da fällt einem doch spontan der Vergleich mit der Parlinenschachtel ein: Man weiß nie, was man kriegt. In diesem Jahr allerlei Leckereien, denn die Clubs, die in den vergangenen jahren oft genug gegen den Abstieg kämpften, haben bereits 18 beziehunsgweise 20 Punkte auf dem Konto.
  6. .Fehlstarter: Ach, Schalke. Miserabel in die Saison gestartet. Richtig miserabel. Fünf Spiele ohne Punktgewinn, der neue Trainer Markus Weinzierl dachte da sicherlich wieder an die Episode, die sich wenige Wochen zuvor bei seiner Wohnungssuche zugetragen hatte: „Ich habe auch schon eine Absage bekommen. Der Vermieter wollte einen langfristigen Mieter“, sagte Weinzierl damals. Die Wohnung, die er dann doch noch fand, musste er bislang nicht kündigen. Schalke hat inzwischen elf Punkte auf dem Konto. Alles gut? Der Ausfall von Neuzugang Breel Embolo, der sich bei einem Foul des Augsburgers Konstantinos Stafylidis eine komplizierte Fraktur des Sprunggelenks und einen Wadenbeinbruch zuzog, tut weh.
  7. .Gefährdete Art: Auch im Negativen liegt ein Reiz. Wenn es einen denn nicht selbst betrifft. Der Hamburger SV, einziges Gründungsmitglied der Bundesliga, das noch niemals abstieg, steht mal wieder ganz unten. Der Dinosaurier kämpft ums Überleben, entsprechend groß sind Spott und Häme. Der NDR setzte in einem Satire-Clip etwa drei Fußballfans in eine anonyme Beratungsgruppe. Als sich einer von ihnen als HSV-Fan outet, ist die zuvor so verständnisvolle Runde schockiert, um es mal harmlos zu beschreiben. Im Vorjahr hatten die Norddeutschen zu diesem Zeitpunkt bereits 14 Punkte auf dem Konto, aktuell sind es zwei. Lediglich vier eigene Treffer erzielte der HSV in zehn Spielen. Besserung? Nicht in Sicht!

  8. .Torjäger: Ein Mann, ein Ausflug, vier Tore. Der Gabuner im Dienst von Borussia Dortmund entfernte sich unerlaubt von der Truppe, um es mal im Bundeswehrjargon zu sagen. Mit dem Privatjet reiste er mit einigen Freunden nach Mailand. Als Strafe durfte er beim Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon nur zusehen. Nun, eine Buchstabensuppe hat weniger Einlage als „Pierre-Emerick Aubameyang“, auslöffeln musste die Bescherung der Hamburger SV, dem der Stürmer im folgenden Bundesligaspiel gleich vier Tore einschenkte. Nicht ganz so spektakulär, dafür beständiger präsentiert sichbislang Kölns Anthony Modeste, der für den 1. FC Köln bereits elf Treffer erzielte und damit die Torjägerliste zusammen mit Aubameyang anführt. Modestes Teamkollegen trafen zusammen übrigens nur fünfmal.
  9. .Trainerwechsel: Das Karussell dreht sich. Der FC Ingolstadt verpflichtete vergangene Woche Maik Walpurgis als Nachfolger von Markus Kauczinski. Damit war bereits der vierte Trainerwechsel dieser Saison perfekt. Werder Bremen hatte zuvor Viktor Skripnik durch Alexander Nouri ersetzt, der HSV Bruno Labbadia durch Markus Gisdol und beim VfL Wolfsburg musste Dieter Hecking seinen Hut nehmen, für ihn übernahm Valérien Ismaël. Allzuviel gebracht haben die Rochaden bislang nicht, aber das kann ja noch werden.
  10. .Härte: 18 Platzverweise gab es bislang, also 0,2 pro Spiel. Zum Vergleich: Im Vorjahr lag die Quote am Saisonende bei 0,13 Platzverweisen pro Spiel. Von wegen Ringelpiez mit Anfassen! Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich soll es fair zugehen auf den Plätzen. Aber anders als im Vorjahr mussten wir uns auch noch nicht mit vermeintlich abgeschenkten Spielen gegen die Bayern beschäftigen. Gut so.

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