Eine abgezockte Berliner Hertha hat dem 1. FC Nürnberg beim Neustart ins Jahr 2019 einen weiteren ernüchternden Tiefschlag im Abstiegskampf versetzt. Der Tabellenletzte der Fußball-Bundesliga verlor einen Tag nach den Niederlagen der direkten Konkurrenten FC Augsburg, VfB Stuttgart und Hannover 96 gegen das Team aus der Hauptstadt ebenfalls im eigenen Stadion mit 1:3 (1:1). Der „Club“ konnte die Vorlage damit nicht nutzen und bleibt nach nunmehr zwölf sieglosen Partien der Abstiegskandidat Nummer eins.

Verdienter Sieg mit schönen Toren

Beim 50. Bundesligasieg von Hertha-Coach Pal Dardai schossen der starke Angreifer Vedad Ibisevic (15. Minute) und der gleich zweimal erfolgreiche Spielmacher Ondrej Duda (50./70.) die Tore. Die Berliner rückten auf Platz sieben vor. Bei Dauerfrost konnte Kapitän Hanno Behrens vor 36 112 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion zum Pausenstand von 1:1 ausgleichen (42.). Der „Club“ spielte engagiert, aber dem Aufsteiger fehlt es offensiv und defensiv an der Erstligareife.

Der Nürnberger Mikael Ishak (l) kämpft mit dem Berliner Arne Maier um den Ball. Foto:
Der Nürnberger Mikael Ishak (l) kämpft mit dem Berliner Arne Maier um den Ball. Foto: | Bild: DANIEL KARMANN/dpa

„Das war ein verdienter Sieg, das waren schöne Tore“, meinte Dardai und zog ein erstes Resümee: „Die zweite Halbzeit war richtig gut, aber die erste war auch okay. Ein Lob an die ganze Mannschaft – aber nicht ein ganz so großes Lob“, sagte der Ungar im TV-Sender Sky. „Denn das war das erste Spiel, und wir haben noch viel vor.“

Vier "interne Neuzugänge"

Neue Spieler hat der Tabellenletzte aus Nürnberg im Winter bislang nicht verpflichtet. „Qualität kostet ein paar Euro“, argumentierte Sportvorstand Andreas Bornemann vor dem Anpfiff bei „Sky“. Trainer Michael Köllner konnte gegen die Hertha immerhin vier „interne Zugänge“ (Bornemann) aufbieten. Denn Torwart Christian Mathenia, Kapitän Behrens, Eduard Löwen und Enrico Valentini standen nach ihren Verletzungen allesamt in der Startformation. Das zahlte sich durchaus aus, etwa beim 1:1. Löwens Schussversuch im Anschluss an einen von den Berlinern schlecht verteidigten Eckball drückte Behrens entschlossen über die Linie.

Der Berliner Torwart Rune Jarstein (r) ist nach dem Ausgleichstreffer des Nürnberger Hanno Behrens (l) sauer auf seine Mitspieler.
Der Berliner Torwart Rune Jarstein (r) ist nach dem Ausgleichstreffer des Nürnberger Hanno Behrens (l) sauer auf seine Mitspieler. | Bild: DANIEL KARMANN/dpa

Es war eine der wenigen gelungenen Offensivaktionen der Gastgeber, bei denen der gegnerische Strafraum wieder oft wie ein Sperrbezirk erschien. Die spielerisch reiferen Berliner dominierten zunächst die Partie. Dardai bot im Mittelfeld sogar Marko Grujic auf, obwohl dieser nach einer Fußverletzung noch Trainingsrückstand hat. Der 22-Jährige agierte bis zu seiner geplanten, frühen Auswechslung (57.) mit Umsicht und Ballsicherheit, war aber noch nicht der Alte.

Berliner Abgezockheit

Warum die Nürnberger die meisten Tore in der Liga kassiert haben, wurde schon beim 0:1 deutlich. Mit einem simplen Doppelpass durchs Zentrum narrten Ibisevic und Sturmpartner Davie Selke die Defensive um den neu ins Team gerückten Brasilianer Ewerton. Ibisevic schloss trocken ab, es war das siebte Saisontor des Bosniers. Hertha ruhte sich danach jedoch zu sehr auf der Führung aus. Duda prüfte immerhin noch Mathenia mit einem Schuss (29.).

Die Quittung war das Gegentor, das den FCN beflügelte. Mikael Ishaks Schuss nach einem weiteren Eckball klärte Marvin Plattenhardt (49.). Im Gegenangriff bewiesen die Gäste ihre Abgezocktheit. Und wieder spielte Ibisevic eine Hauptrolle: Der 34 ließ eine Flanke clever auf Duda abtropfen, der ganz souverän aus zentraler Position sein achtes Saisontor erzielte. Das neunte legte Duda prompt nach, wieder war neben Selke auch Ibisevic in der Entstehung beteiligt. Selke traf in der 81. Minute noch den Pfosten – der Berliner Sieg war hochverdient. (dpa)