Zum Einmarsch der beiden Mannschaften haben sich jede Menge Mäschgerle in Position gebracht. An einem Samstag zwischen dem Schmotzigen Dunschtig und Rosenmontag ist das eine adäquate Aktion, zumal ja auch Gegner Düsseldorf aus einer Hochburg des närrischen Treibens kommt – mit dem Unterschied, dass Fasnet Karneval heißt und der Schmotzige Dunschtig Altweiberfasnacht. Auch auf den Tribünen sind hübsch verkleidete Narren versteckt, allesamt natürlich in der Hoffnung, dass sich die 22 Fußballer auf dem Rasen des Schwarzwaldstadions keiner Narretei hingeben mögen.

Den besseren Start haben die Gäste. Auf links wirbelt nach fünf Minuten Erik Thommy die Freiburger Abwehr durcheinander schlägt eine Flanke so hart in den Fünfmeterraum, dass Christian Günter seinen Fuß nicht mehr wegbringt und den Ball ins eigene Tor bugsiert. Passend zur Jahreszeit hat sich der SC-Kapitän ein bisschen zum Narren gemacht, doch bewahrt ihn Schiedsrichterassistent Marcel Unger vor möglicher Spöttelei – hoch geht die Fahne, Abseits von Fortunen-Kicker Mattias Zimmermann, kein 0:1.

Chance nicht verwertet

Eine erste Antwort gibt der Sportclub acht Minuten weiter, freilich auf kuriose Weise. Ein Freistoß von Jonathan Schmid bleibt halb in der Düsseldorfer Menschenmauer hängen, als Rouwen Hennings per Befreiungsschlag klären will, zimmert er den Ball Gegenspieler Lucas Höler auf den Fuß, von wo aus die Kugel übers Fortunen-Tor fliegt. Nach 19 Minuten hat Changhoon Kwon einen Treffer auf dem Fuß, doch anstatt nach einem Traumpass von Vincenzo Grifo einfach mal mit seinem starken linken Fuß draufzuhalten, will der Koreaner Höler in Szene setzen – der schießt prompt daneben und wäre am Ende auch noch im Abseits gewesen.

Lucas Höler (l) von Freiburg und Rouwen Hennings (r) von Düsseldorf um den Ball. F
Lucas Höler (l) von Freiburg und Rouwen Hennings (r) von Düsseldorf um den Ball. F | Bild: Patrick Seeger/dpa

Dann wieder Düsseldorf. Direkt an der Strafraumgrenze geht Thommy zu Boden wie ein Bäumchen in Sabines Sturmwirbel – tatsächlich hat Nivolas Höfler den Fortunen-Angreifer minimal am Fuß touchiert. Den Freistoß versemmelt Valon Berisha (31.), doch fünf Minuten später machen es die Rheinländer besser. Erst kann SC-Torwart Alexander Schwolow den Schlenzer von Hennings noch per Fußabwehr zur Ecke klären, doch nach Flanke von Stöger ist er gegen den Kopfball von Andre Hoffmann machtlos. Düsseldorf führt 1:0, auch weil die schlafmützigen Freiburger Vorlagengeber Stöger von der Eckfahne bis zur Strafraumgrenze unbehelligt lassen und in der Mitte sich Janik Haberer duckt anstatt ins Kopfballduell mit dem Torschützen zu gehen. Zur Pause heißt es also Helau statt Narri Narro!

Fortuna nutzt Konter und macht Sieg perfekt

In der Halbzeit reagiert Christian Streich. Der Sportclub-Trainer nimmt Kwon aus der Mannschaft und schickt für ihn Nils Petersen aufs Feld. Allerdings hätte er auch Lucas Höler eine vorzeitige Dusche verschaffen können, denn der Mann mit der Nummer neun ist 45 Minuten lang die Nummer eins im Bälle verstolpern. Nur drei Minuten nach Wiederbeginn dann die erste Chance: Günter zieht in den Strafraum, seine harte Flanke fegt Niko Gießelmann knapp am eigenen Kasten vorbei ins Toraus zum ersten Eckball überhaupt für den SCF. Und die Freiburger werden jetzt auch stärker. Haberer versucht es aus 25 Metern, Fortuna-Keeper Florian Kastenmeier boxt den Ball über die Querlatte (61.).

Und dann das: Aus dem Eckball der Gastgeber heraus entwickelt sich dann ein furioser Konter der Düsseldorfer – oder besser gesagt: ein Konter von Erik Thommy. Schmid verliert den Ball am gegnerischen Strafraum und schon kann der Düsseldorfer losziehen. Luca Waldschmidt kommt nicht hinterher und Schwolow nicht an den Schuss – nach 16 Minuten steht es 0:2. Eine Anekdote am Rande: Nicolas Höfler ist zum Zeitpunkt des Einschlags nicht auf dem Platz, sondern in der Kabine – vermutlich hatte ihn ein Drang überkommen…

Erik Thommy von Düsseldorf (M) erzielt das 2:0 gegen Luca Waldschmidt (l) und Torwart Alexander Schwolow (r).
Erik Thommy von Düsseldorf (M) erzielt das 2:0 gegen Luca Waldschmidt (l) und Torwart Alexander Schwolow (r). | Bild: Patrick Seeger/dpa

Sympathie für Abstiegskandidaten

Nach 76 Minuten führen dann die Freiburger – allerdings nur in der Eckballwertung. Da haben sie aus 0:3 ein 4:3 gemacht, freilich ohne das daraus etwas Positives entstanden wäre. 5:3, 6:3, 7:3, ein Eckstoß nach dem anderen verpufft, und als in der 82. Minute Waldschmidt eine Nachschussmöglichkeit am Tor vorbeisetzt und vier Minuten später Höfler mit einem Zwölfmeterschuss an Kastenmeier scheitert, ist für die SC-Fans endgültig klar, dass es an diesem Tag nichts mehr wird.

Wenig später ist dann Schluss, wieder hat der SC Freiburg, wie schon vier Wochen zuvor gegen den SC Paderborn – ein zu großes Herz für einen Abstiegskandidaten gezeigt.