Deborah Dillmann

Krebs zählt in Deutschland noch immer zu den häufigsten Todesursachen. Die Erkrankung belegt mit all ihren verschiedenen Formen mit mehr als 230.000 Todesfällen pro Jahr laut dem Bundesgesundheitsministerium nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen den zweiten Platz in der Rangfolge. Zahlreiche verschiedene Vorsorgeuntersuchungen sollen bei der Früherkennung helfen, sind aber meist relativ invasiv. Und: Nicht alle Tumore werden bei diesen Untersuchungen entdeckt. Die Forschung zu Tests, die Krebs im Blut nachweisen können, läuft auf Hochtouren. Besonders weit sind die Wissenschaftler mit dem sogenannten Galleri-Test. Doch was kann er, wo liegen seine Grenzen und wie funktioniert er?

Wie funktioniert der Bluttest zur Krebsfrüherkennung?

Entwickelt wurde der Galleri-Test von dem US-Unternehmen Grail und ist in den USA bereits teilweise im Einsatz. Ärztinnen und Ärzte dürfen den knapp 1000 Dollar teuren Test bereits durchführen. Die Kosten werden allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen und auch eine Zulassung durch die zuständige Behörde stehen noch aus. Aber wie erkennt der Galleri-Test Krebsüber eine Blutprobe? Laut dem Hersteller sucht der Test im Blut nach Krebs-DNA und kann so mehr als 50 Krebsarten erkennen.

So funktioniert's in der Theorie: Im Blut von Menschen, die an Krebs erkrankt sind, finden sich neben normalen DNA-Resten von Zellen auch abgestorbene Krebszellen. Diese chemische Veränderung im Blut kann der Galleri-Test den Angaben zufolge erkennen und darüber hinaus auch den Herd des Tumors identifizieren, also den betroffenen Ort im Körper.

Wie zuverlässig ist der Bluttest zur Krebsfüherkennung?

Zur eigenständigen Diagnose ist der Galleri-Test noch nicht geeignet. Laut Hersteller Grail dient er eher zur Ergänzung von bestehenden Vorsorgeuntersuchungen. Bei einer ersten Studie mit rund 6600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über 50 Jahre lag die Trefferrate des Tests nämlich nur bei rund 40 Prozent. Der Test hatte bei knapp hundert Probanden ein Krebssignal abgegeben. Tatsächlich bestätigt hat sich die Krebsdiagnose allerdings nur in 35 Fällen, viele davon aber in einem frühen Stadium.

Aktuell läuft in England eine neue groß angelegte Studie mit 140.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, um die Treffsicherheit und den Nutzen des Tests genau zu prüfen. Bis dieser oder andere Bluttests zur Krebserkennung allerdings für den breiten Einsatz geeignet sind, dürfte es Experten zufolge noch mehrere Jahre dauern. Normale Vorsorgeuntersuchungen wie Mammographie oder Darmspiegelung sowie Untersuchungen für Prostatakrebs oder Gebärmutterhalskrebs haben also noch lange nicht ausgesorgt.