Die Freie Universität Berlin entzieht der ehemaligen Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) den Doktortitel. Das Präsidium habe dies nach umfassender Beratung einstimmig beschlossen, teilte die Hochschule am Donnerstag nach einer Überprüfung der Dissertation der Berliner SPD-Landesvorsitzenden mit.

Unausreichende Kennzeichnung der Literatur ist ausschlaggebend

Der Doktorgrad sei durch „Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung“ erworben worden, so die Hochschule zur Begründung. Es seien Texte und Literaturnachweise anderer Autorinnen und Autoren übernommen worden, ohne dass dies hinreichend gekennzeichnet worden sei.

Franziska Giffey, SPD-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin, sitzt bei einem Besuch des Taxi Zentrums Berlin in einem hybriden London-Taxi am 04.06.2021. (Archivbild)
Franziska Giffey, SPD-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin, sitzt bei einem Besuch des Taxi Zentrums Berlin in einem hybriden London-Taxi am 04.06.2021. (Archivbild) | Bild: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Nach langen Diskussionen um ihre Doktorarbeit und den Plagiatsvorwürfen gab Giffey im Mai das Amt der Bundesfamilienministerin auf. Sie machte damals bereits öffentlich, dass sie auch bei einem Entzug des Doktortitels an ihrer Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin im September festhalten will. Giffey will als Nachfolgerin von Michael Müller Regierende Bürgermeisterin werden.

Nach erneuter Prüfung verliert Giffey ihren Doktortitel

Im Herbst 2019 hatte die FU Giffey wegen Mängeln in ihrer Dissertation eine Rüge erteilt, ihr aber den Titel nicht entzogen. Nach Kritik an diesem Verfahren kündigte die FU eine erneute Prüfung durch ein neues Gremium an. Die Rüge sei aufgehoben worden, teilte die Hochschule am Donnerstag weiter mit.

Giffey hatte wiederholt erklärt, sie habe die Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben. „Ich bedauere, wenn mir dabei Fehler unterlaufen sind.“ Im vergangenen November – noch während des Prüfverfahrens an der FU – hatte sie entschieden, den Doktortitel nicht mehr zu führen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die ehemalige Bundesfamilienministerin akzeptiert die Entscheidung

Die SPD-Politikerin Franziska Giffey hat nach der Aberkennung ihres Doktortitels durch die Freie Universität Berlin erklärt, dass sie die Entscheidung akzeptiere. Nach wie vor stehe sie zu ihrer Aussage, „dass ich die im Jahr 2009 eingereichte Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst habe“, teilte die frühere Bundesfamilienministerin und Spitzenkandidatin der Berliner SPD zur Abgeordnetenhauswahl im September mit. Sie bedaure „Fehler, die mir bei der Anfertigung der Arbeit unterlaufen sind“.

Diese seien weder beabsichtigt noch geplant gewesen, erklärte Giffey weiter. Die Universität hatte ihr den Doktortitel kurz zuvor wegen Plagiaten entzogen. Das Hochschulpräsidium habe den Beschluss „nach umfassender Beratung einstimmig“ gefasst, erklärte die Hochschule. Zur Begründung hieß es, der Titel sei durch „Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung“ erworben worden.

(dpa)