Doppelter Triumph für Olaf Scholz

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz übertrumpfte die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bei der Bundestagswahl nicht nur deutschlandweit, sondern auch im direkten Duell in ihrem Potsdamer Wahlkreis. Scholz errang im Wahlkreis 61 laut vorläufigem Ergebnis 34,0 Prozent der Erststimmen. Baerbock landete mit deutlichem Abstand mit 18,8 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz.

Auch SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken verlor im Wahlkreis Calw gegen den CDU-Kandidaten Klaus Mack. Sowohl Esken als auch Baerbock – sowie viele weitere Parteipromis – kommen aber über die Landeslisten in den Bundestag.

Stimmenkönig Cem Özdemir – Niederlage für Kretschmann-Sohn

Cem Özdemir ist bundesweit der erfolgreichster Grünen-Direktkandidat. In seinem Wahlkreis Stuttgart I entfielen 40 Prozent der Erststimmen auf ihn. Nur Canan Bayram verbuchte in ihrem Wahlkreis in Berlin mit 37,8 Prozent ein annähernd ähnlich hohes Ergebnis.

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In Baden-Württemberg ist Özdemir sogar Stimmenkönig unter den Direktkandidaten aller Parteien. Auf Platz zwei folgt Roderich Kiesewetter, der als CDU-Direktkandidat im Wahlkreis Aalen-Heidenheim 37,0 Prozent der Stimmen bekam.

Für den Sohn des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann reichte es hingegen nicht. Johannes Kretschmann unterlag im Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen dem CDU-Kandidaten Thomas Bareiß. Auch der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin schaffte es in seinem Göttinger Wahlkreis nicht, obwohl er seinen Stimmenanteil von 11,3 Prozent 2017 auf 23,2 Prozent der Erststimmen verdoppelte.

Schwere Niederlage für Linken-Chefin Janine Wissler

Die Linken-Ko-Vorsitzende Janine Wissler konnte sich für den Wahlkreis Frankfurt am Main I nicht als Direktkandidatin durchsetzen. Die 40-Jährige erreichte nur 8,8 Prozent der Erststimmen und landete somit auf dem fünften Platz – weit abgeschlagen hinter dem Wahlsieger Armand Zorn (SPD), der 29 Prozent der Stimmen erhielt. Auch bundesweit konnten sich die Linken-Kandidaten nur in drei Wahlkreisen gegen ihre Konkurrenz durchsetzen, retteten damit aber ihren Einzug in den Bundestag.

Schlappe für Annegret Kramp-Karrenbauer

Im Kampf um das Direktmandat des Wahlkreises Saarbrücken musste Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) eine schwere Niederlage einstecken. Nach Auszählung aller Gemeinden lag sie mit 25,1 Prozent der Erststimmen deutlich hinter der SPD-Kandidatin Josephine Ortleb. Für die Saar-CDU trat sie jedoch auf Listenplatz eins an.

Fast jede zweite Stimme für Karl Lauterbach

So deutlich konnten nur wenige Kandidaten einen Wahlkreis für sich entscheiden: Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach erreichte in seinem Wahlkreis Leverkusen – Köln IV 45,6 Prozent der Stimmen. Somit stimmten mehr als doppelt so viele Wahlberechtigte für den Mediziner wie für die NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU).

Dauer-Direktmandat für Wolfgang Schäuble

Keine Experimente in Offenburg: Seit 1972 ist Wolfgang Schäuble in seiner Heimatstadt aus jeder Bundestagswahl als Wahlkreissieger hervorgegangen. Im Vergleich zur Wahl 2017, wo noch 48,1 Prozent der Wahlberechtigten für ihn stimmten, erreichte der Dauer-Direktkandidat diesmal „nur“ 34,9 Prozent der Erststimmen. Sein persönliches Rekordergebnis erzielte Schäuble 1990 in Offenburg. Damals konnte er 64,3 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Bundesminister gegen Bundesminister

Zwei Bundesminister im Duell: Außenminister Heiko Maas hat das Duell gegen Wirtschaftsminister Peter Altmaier um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis gewonnen. Es war das bundesweit einzige Duell zweier Bundesminister um ein Direktmandat für den Bundestag.

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Mit Kanzleramtschef Helge Braun (Gießen) und Agrarministerin Julia Klöckner (Bad Kreuznach) verpassten weitere CDU-Polit-Promis die Direktmandate, ebenso wie CDU-Nachwuchshoffnung Philip Amthor in seinem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Nordosten fiel auch der bisherige Wahlkreis der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel an die SPD: die 27-jährige Anna Kassautzki lag vor CDU-Direktkandidat Georg Günther. Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban, fiel in seinem Wahlkreis Hannover-Land II ebenfalls durch. Er verlor gegen den SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch.

Die Rückkehr des Friedrich Merz

Zum ersten Mal nach zwölf Jahren wird der CDU-Politiker Friedrich Merz wieder im Bundestag vertreten sein. Merz gewann mit 40,4 Prozent das Direktmandat im Hochsauerlandkreis und konnte damit seinen SPD-Konkurrenten Dirk Wiese mit 30,2 Prozent deutlich hinter sich lassen.

FDP-Chef Christian Lindner auf Platz vier

Für den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner hat es nicht für ein Direktmandat im Rheinisch-Bergischen Kreis gereicht. Mit 16,8 Prozent der Erststimmen landete er auf dem vierten Platz. Als Spitzenkandidat seiner Partei ist ihm der Einzug in den Bundestag über die Landesliste jedoch sicher.

Olympiasieger gewinnt gegen Maaßen

Das Rennen des früheren Verfassungsschützers und CDU-Rechtsaußen Hans-Georg Maaßen in Thüringen erregte bundesweit Aufsehen, doch den Wahlkreissieg trug ein anderer davon: Olympiasieger und Ex-Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich holte das Direktmandat mit deutlichem Abstand für die SPD.

Robert Habeck debütiert im Norden

Im Gegensatz zu seiner Ko-Vorsitzenden Annalena Baerbock konnte Robert Habeck das Direktmandat in seinem Wahlkreis Flensburg-Schleswig für sich gewinnen. Habeck erhielt bei der Bundestagswahl 28,1 Prozent der Stimmen und zieht damit erstmals in den Bundestag ein. Für die Nord-Grünen trat er auf Listenplatz zwei an. (dpa / AFP)