Die Dienstpflicht-Debatte gehört zum Sommer wie die Sonne und man kann sie in ihrer ganzen Folklore schlagerhaft zusammenfassen: Tausendmal geführt, tausendmal ist nichts passiert. Ob es bei Steinmeiers 1001. Versuch nun „Zoom“ macht, darf bezweifelt werden.

Stromlinienförmige Jugend

Dennoch bleiben manche Gegenargumente im Bereich der Plattitüden hängen. Ein staatlicher Eingriff in die Freiheit der Jugend wäre das doch, sagen Gegner. Der Befund ist korrekt, nur sind das achtjährige Gymnasium und das Bachelor-System an den Universitäten genau dasselbe. Diese Eingriffe werden jedoch verteidigt – kein Wunder, sie machen die Jugend schön stromlinienförmig und vor allem schneller verwertbar für die Wirtschaft.

Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Rottweil in einer Tischlerei. Von jungen Menschen erhofft er sich einen Einsatz in sozialen ...
Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Rottweil in einer Tischlerei. Von jungen Menschen erhofft er sich einen Einsatz in sozialen Bereichen oder bei der Bundeswehr. | Bild: Jesco Denzel/dpa

Genau an dieser beklagenswerten Homogenisierung und Beschleunigung würde eine Dienstpflicht etwas ändern und nicht wenigen Jugendlichen neue Horizonte eröffnen. Die Freiheit bleibt dabei unser höchstes Gut – doch ohne Herzensbildung ist sie sinnlos und leer.