Wenn es nicht läuft, dann läuft es nicht. Und für Armin Laschet läuft es gerade so überhaupt nicht. Eigentlich wollte der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens längst schon neuer Vorsitzender der CDU sein und aus dieser Position heraus Schwung nehmen Richtung Kanzleramt. Doch die Corona-Krise bremste seine Pläne aus.

Der für April geplante Parteitag wurde abgesagt, damit auch die mögliche Krönung zum Parteichef und eine für ihn gewisse Zukunft. Seitdem wirkt Laschet wie ein Schwimmer, der wild mit den Armen rudert, um nicht unter Wasser zu geraten. Corona hat ihm einen schweren Strich durch die Rechnung gemacht und die Karten im politischen Spiel neu gemischt.

Armin Laschet.
Armin Laschet. | Bild: Johan Macdougall/dpa

Auf der einen Hand des Kartenspiels stecken die drei Buben Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Sie kämpfen um den Parteivorsitz und gehen davon aus: Wer dieses Rennen gewinnt, tritt auch als Kanzlerkandidat an. Das ist bei der CDU zwar nirgends so festgeschrieben, gilt aber wie ein Naturgesetz.

Beim Skat sind aber vier Buben im Spiel und der vierte heißt in diesem Fall Markus Söder, CSU-Parteichef und Bayerns Ministerpräsident. Söder betonte zwar schon mehrfach, dass er keinerlei Ambitionen auf das Amt des Bundeskanzlers habe und sein Platz in Bayern sei. Aber so richtig nehmen ihm das nicht einmal enge Begleiter ab. In der Außenwahrnehmung mausert sich Söder jedenfalls zum entscheidenden Mann, der alle anderen Mitspieler übertrumpfen könnte.

Söder wirkt wie ein Feldherr

Dabei geht es nicht nur um große Linien, sondern auch um Kleinigkeiten. Ein Beispiel? In dieser Woche traten Laschet und Söder vor die Presse, nicht gemeinsam, sondern jeder für sich. Während Laschet in Nordrhein-Westfalen aufgrund der Tönnies-Krise aus der Defensive heraus agieren musste und Nachfragen zu Staatshilfen für den Fußballverein Schalke 04 peinlich unbeantwortet ließ, stand Markus Söder in München selbstbewusst vor der Kamera und präsentierte forsch sein Konzept „Corona-Tests für alle Bayern“.

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern.
Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. | Bild: Sven Hoppe

Was bei interessierten Beobachtern hängen blieb: Laschet reagiert, Söder agiert. Laschet hat schlechte Nachrichten, Söder Ideen. Und für schlechte Nachrichten bringt Söder Leute mit, die ihm den Mist wegräumen. Staatsministerin Huml erläuterte Detailfragen zu den durchaus umstrittenen Massen-Tests, Staatsminister Aiwanger federte das Thema Wirecard ab. Der Feldherr stand derweil in der Mitte und konzentrierte sich aufs große Ganze. Das hat Wirkung.

Der Preis für einen Wechsel nach Berlin wäre riesig

Für manche Beobachter der großen Politik sind das Indizien dafür, dass sich Söder in Stellung bringt. Und gewiss gefällt es dem CSU-Chef nicht nur als Politiker, sondern auch als Mensch, immer wieder gefragt zu werden, ob er denn Kanzler werden will. Muss er doch annehmen, dass es ihm die Fragenden auch zutrauen. Der Preis für einen Wechsel auf die ganz große Bühne wäre für ihn allerdings enorm hoch.

Markus Söder hat Bayern und die CSU nach dem heftigen Richtungsstreit mit Horst Seehofer wieder befriedet. Durch seine Macher-Attitüde in Corona-Zeiten hat er allerbeste Zustimmungswerte und nichts und niemand um ihn herum kann ihm gefährlich werden. Mittlerweile werden ihm Eigenschaften wie „geduldig“ und „mild“ zugeschrieben, darauf wäre vor zwei Jahren nun wahrlich niemand gekommen.

Denkbar ist also auch: Der Stratege Söder hat gar nicht im Sinn, Kanzler werden zu wollen, tut aber nach außen hin weiter so. Was er davon hätte? Allerbeste Verhandlungspositionen, um bei einem offiziellen Verzicht auf die Kandidatur von Armin Laschet möglichst viel für die CSU und die Bayern herauszuholen. Aus dem Feldherrn würde so ein König.

Die CDU verzichtet nicht freiwillig

Und noch eines, was gerne übersehen wird: Derzeit steht die CDU im Bund so gut wie lange nicht da, die Umfragewerte steuern Richtung 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs steigt stetig an und somit auch die Wahrscheinlichkeit, den nächsten Kanzler zu stellen.

In der Vergangenheit hat die CDU auf die Kandidatur zugunsten der CSU immer nur dann verzichtet, wenn die Chancen auf den Wahlsieg schlecht waren. So räumte 2002 Angela Merkel das Feld für Edmund Stoiber, 1980 verzichtete Helmut Kohl und Franz-Josef Strauß trat an. Die gewählten Kanzler hießen dann auch Gerhard Schröder und Helmut Schmidt und kamen von der SPD. Die guten Werte für die CDU, wenn sie denn so bleiben, sind eine vielversprechende Basis dafür, bei der Wahl im Herbst 2021 zu triumphieren. Das schenkt die CDU niemals ab. Insofern: Derzeit läuft es für den Ministerpräsidenten Armin Laschet nicht. Aber seine Zeit kommt noch.