Keir Starmer ist zum neuen Chef der Labour-Partei und damit zum Oppositionsführer in Großbritannien gewählt worden. Das teilten die britischen Sozialdemokraten mit. Der 57-Jährige tritt die Nachfolge von Jeremy Corbyn an.

Unter dessen Führung hatte Labour bei der Parlamentswahl im vergangenen Dezember die schwerste Niederlage seit 1935 eingefahren. Zur Vizechefin wurde die bisherige bildungspolitische Sprecherin Angela Rayner gewählt.

Der ehemalige Menschenrechtsanwalt Starmer setzte sich gegen seine Konkurrentinnen Rebecca Long-Bailey und Lisa Nandy durch. Seine Wahl gilt als klare Abkehr von dem stramm linksgerichteten Kurs der britischen Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren. Der 70-Jährige Altlinke Corbyn und seine Mitstreiter standen immer wieder in der Kritik, antisemitische Tendenzen in ihrer Partei zu dulden. Auch hier dürfte Starmer auf einen Neustart hinarbeiten.

Partei- und Gewerkschaftsmitglieder sowie Labour-Unterstützer konnten vom 21. Februar bis 2. April über die Nachfolge von Jeremy Corbyn abstimmen. Das Ergebnis wurde wegen der Coronavirus-Pandemie nicht wie geplant auf einem Sonderparteitag, sondern per Internet verkündet.

Starmer gilt als Brexit-Gegner. Doch er wird sich hüten, allzu laut nach einer Verlängerung der Brexit-Übergangsphase zu rufen. «Der Streit um Verbleib oder Austritt ist vorbei», sagte er bei einer Podiumsdebatte im Februar.

Der konservative Premierminister Boris Johnson hält bislang eisern daran fest, die Loslösung von der EU bis zum Ende des Jahres abzuschließen. Doch daran glaubt angesichts der massiven Veränderungen durch die Coronavirus-Pandemie kaum noch jemand. Ein Scheitern der Verhandlungen, die derzeit gar nicht stattfinden können, würde der durch den Lockdown ohnehin geschwächten Wirtschaft einen zusätzlichen Schlag versetzen. Bis Ende des Jahres ist Großbritannien noch an EU-Regeln gebunden. Eine Verlängerung der Übergangsphase um bis zu zwei Jahre steht noch bis Juli offen.

Auch mit Kritik an der Reaktion der Regierung auf die Coronavirus-Pandemie dürfte sich Starmer zunächst zurückhalten, um nicht den Eindruck zu erwecken, politisches Kapital aus der Krise schlagen zu wollen.

Johnson hat unterdessen die Chefs aller Oppositionsparteien zur Zusammenarbeit im Kampf gegen die Krise aufgerufen. «Wir haben die Pflicht, in dieser Zeit des nationalen Notstands zusammenzuarbeiten», schrieb der Premier. Er lud die Parteichefs zu einem gemeinsamen Briefing mit Regierungsexperten in der kommenden Woche ein. Mit Spannung wird erwartet, wie Starmer auf diesen Aufruf reagiert.

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