Eine Aufstellungsversammlung unter freiem Himmel in einem Fußballstadion im sauerländischen Arnsberg bestimmte den 65-Jährigen am Samstag zum CDU-Direktkandidaten im Wahlkreis 147. Merz setzte sich am Samstag bei einer Abstimmung gegen den CDU-Innenexperten Patrick Sensburg durch, wie der Kreisverband mitteilte. Merz erhielt 327 Stimmen, Sensburg 126 Stimmen.

Friedrich Merz (CDU, r), ehemaliger Vorsitzender der Unions-Fraktion im Bundestag, und Patrick Sensburg (CDU, l), Mitglied des Bundestags, stehen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses mit einem Blumenstrauß auf der Tribüne des Stadion Große Wiese.
Friedrich Merz (CDU, r), ehemaliger Vorsitzender der Unions-Fraktion im Bundestag, und Patrick Sensburg (CDU, l), Mitglied des Bundestags, stehen nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses mit einem Blumenstrauß auf der Tribüne des Stadion Große Wiese. | Bild: Jonas Güttler

Merz betitelt ich als „frei und unabhängig“

Sensburg hatte den Bundestagswahlkreis 2009 von Merz übernommen. Merz zog sich damals aus der aktiven Politik zurück und wechselte in die Wirtschaft. Am Samstag warb er für sich mit den Worten, mit ihm bekomme der Kreisverband keinen „angepassten Abgeordneten“. Er sei „heute so frei und unabhängig“, dass er auch „unbequeme Dinge sagen“ könne.

Wahl unter freiem Himmel

Die Wahl fand wegen der Corona-Pandemie unter freiem Himmel in einem Stadion statt. Die beiden hatten zuvor in jeweils über 20-minütigen Reden um die Zustimmung der Delegierten geworben. Während Sensburg vor allem auf seine Tätigkeit für den Wahlkreis in den vergangenen knapp zwölf Jahren verwies, kritisierte Merz den Zustand seiner Partei. Er versprach den Delegierten, keinen „bequemen und angepassten Abgeordneten“ zu bekommen.

Er wolle dem „Zeitgeist“ nicht „atemlos hinterherlaufen“

Der 65-Jährige kritisierte in seiner Rede, die CDU habe ihren Kompass verloren. Die Wählerinnen und Wähler wüssten nicht mehr, wofür die Partei stehe. „Wir verlieren beständig an die Grünen und an die AfD.“ Merz rief zu einer „stinknormalen bürgerlichen Politik“ auf – „statt dem Zeitgeist atemlos hinterherzulaufen“. Dieser Zeitgeist sei „ein flüchtiger Geselle“.

Der Hochsauerlandkreis mit seinen rund 260 000 Einwohnern gilt als CDU-Hochburg. Sensburg ist dort bereits seit zwölf Jahren Abgeordneter. Er war 2009 Friedrich Merz nachgefolgt, der damals nach vier Wahlperioden (1994-2009) nicht erneut kandidiert hatte.

(dpa)