Unter strikter Geheimhaltung haben der CDU-Vorsitzende Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder weiter um eine Einigung im festgefahrenen Machtkampf um die Kanzlerkandidatur gerungen. Aus Unionskreisen hieß es am Samstag lediglich, beide seien in guten und konstruktiven Gesprächen. An diesem Sonntag läuft die von den Rivalen selbst gesetzte Frist für eine Einigung ab. Offenbar war bislang keiner von ihnen zum Rückzug bereit. Mehrere Unions-Spitzenpolitiker forderten eine rasche Lösung, teils stellten sich auch wieder CDU-Politiker hinter eine Kandidatur von Laschet.

Der gegen Laschet im Kampf um den CDU-Vorsitz unterlegene Friedrich Merz bekräftigte seine Unterstützung für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten und warnte vor einer auch von CDU-Bundestagsabgeordneten erwarteten Kampfabstimmung in der Unionsfraktion. Nach seiner Nominierung zum CDU-Direktkandidaten im Hochsauerlandkreis sagte er vor Journalisten, dies sei die schlechteste aller denkbaren Möglichkeiten. Er gehe davon aus, dass alle Beteiligten über das Wochenende miteinander redeten und es noch am Wochenende ein Ergebnis gebe.

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) wollen Söder-Unterstützer in der Unionsfraktion bis Montag Unterschriften sammeln, um eine Abstimmung am Dienstag zu erzwingen. Der Hauptinitiator und baden-württembergische Abgeordnete Christian von Stetten wolle dann seine bereits veröffentlichte Unterstützer-Liste von 70 CDU-Abgeordneten mit Unterschriften weiterer CDU-Parlamentarier zusammenführen.

Markus Söder (CSU, r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, kommt neben Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, zu einer Pressekonferenz bei der Klausurtagung des Geschäftsführenden Vorstands der Unionsfraktion im Bundestag.
Markus Söder (CSU, r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, kommt neben Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, zu einer Pressekonferenz bei der Klausurtagung des Geschäftsführenden Vorstands der Unionsfraktion im Bundestag. | Bild: Michael Kappeler / dpa

Der rheinland-pfälzische CDU-Vize Christian Baldauf forderte eine Konferenz der Kreisvorsitzenden – „für den Fall, dass die K-Frage nicht umgehend einvernehmlich gelöst werde“. In einer Erklärung des Bezirksverbands Rheinhessen-Pfalz, dessen Vorsitzender er ist, heißt es weiter, es sei wichtig, in der Fläche ein breites Meinungsbild zu erheben und die Botschaft der Basis zu hören. Letztlich führten die Parteimitglieder den Wahlkampf. Die Kreisvorsitzenden seien in der CDU Deutschland die wichtigsten Vertreter der Basis. Es sei kein Problem, eine solche Konferenz auch sehr kurzfristig einzuberufen.

Die selbstgesetzte Frist zur Entscheidung läuft Ende der Woche aus

Sachsens Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer sagte auf einem Parteitag der sächsischen CDU in Dresden, die Entscheidung müsse jetzt zügig getroffen werden, „in Stunden“. Die Personalie sei wichtig für die Zukunft Europas, deshalb sei es wichtig, sie richtig auszusuchen. Kretschmer gab aber keine Präferenz für einen der beiden Kandidaten ab, weder für Laschet noch für Söder.

Am vergangenen Sonntag hatten sich sowohl Laschet als auch Söder zur Übernahme der Kanzlerkandidatur bereiterklärt. Am Montag stellten sich die Spitzengremien von CDU und CSU jeweils hinter ihre Parteichefs. Am Dienstag traten beide in der Bundestagsfraktion auf, wo es Dutzende Wortmeldungen gab – nach Teilnehmerangaben mehr zugunsten Söders als für Laschet. Laschet und Söder stellten anschließend eine Verständigung bis Ende der Woche in Aussicht.

Während die CSU quasi geschlossen fest zu Söder steht, ist die Lage in der großen Schwesterpartei deutlich heterogener. Die zum CDU-Präsidium gehörenden Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts und des Saarlands, Reiner Haseloff und Tobias Hans, verwiesen zuletzt auf die hohe Bedeutung von Umfragen – ein Hauptargument des Söder-Lagers, auf das auch zahlreiche Abgeordnete der Union abheben. In Umfragen lag und liegt Söder klar vor Laschet.

Armin Laschet und Markus Söder (r). Am Dienstag hatten Laschet und Söder nach einer rund vierstündigen Beratung in der Unionsfraktion mitgeteilt, das sie bis Ende der Woche eine Entscheidung für die festgefahrene K-Frage präsentieren wollen. (Archivbild)
Armin Laschet und Markus Söder (r). Am Dienstag hatten Laschet und Söder nach einer rund vierstündigen Beratung in der Unionsfraktion mitgeteilt, das sie bis Ende der Woche eine Entscheidung für die festgefahrene K-Frage präsentieren wollen. (Archivbild) | Bild: Michael Kappeler / dpa

Schäuble, Günther, Bouffier und andere setzen sich für Laschet ein

Für Laschet machten sich zuletzt unter anderen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Schleswig-Holsteins Ministerpräsident und Präsidiumsmitglied Daniel Günther, Hessens Regierungschef und CDU-Bundesvize Volker Bouffier stark sowie Bundesagrarministerin und CDU-Bundesvize Julia Klöckner.

Die Chefin der Frauen Union der CDU, Annette Widmann-Mauz, setzte sich nun ebenfalls für Laschet ein und wies auf die Festlegung der CDU-Spitzengremien hin. „Umfragewerte schwanken. Auf sie lässt sich nicht fest bauen, auf feste Grundsätze & Überzeugungen kommt es an“, schrieb sie auf Twitter. Wer wie Söder ankündige, Entscheidungen respektieren zu wollen, müsse auch Respekt vor denjenigen zeigen, die sie getroffen haben. „Es ist Zeit, zu seinem Wort zu stehen & jetzt zu der gemeinsamen Entscheidung zu kommen“, betonte Widmann-Mauz.

Die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) sagte der „Bild am Sonntag“, sie wünsche der CDU, dass Laschet Bundeskanzler werde. Der Streit sei nur schwer erträglich, zumindest seit „Markus Söder den verabredeten, gemeinsamen Weg verlassen hat“. Sie wünsche sich, „dass die Methoden Söders nur eine kurze Episode“ waren. „Fakt ist, dass die CSU-Kanzlerkandidaten immer Steigbügelhalter für SPD-Kanzler waren.“