Nach der Entscheidung der Schweiz zum Bau eines Atommüll-Endlagers nahe der deutschen Grenze erwartet die Bundesregierung eine Unterstützung der betroffenen Gemeinden in Deutschland. Die grenznahe Anlage werde „auch die Gemeinden auf deutscher Seite stark belasten“, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin.

Es gebe bereits Gespräche mit der Schweiz über „Ausgleichszahlungen für die regionale Entwicklung“. Die Schweiz habe Bereitschaft zu solchen Zahlungen signalisiert.

„Belastungen hören nicht an der Grenze auf“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sagte, seine Regierung werde die Standortentscheidung „mit der Schweizer Regierung zu besprechen haben“. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kündigte eine gründliche Prüfung der schweizerischen Entscheidung an: „Sicherheit und Geologie müssen die entscheidenden Kriterien für die Standortwahl eines Endlagers für Atommüll sein.“

Lemkes Ministerium erklärte, dass der Bau und der Betrieb des Endlagers auf deutscher Seite „ähnliche Auswirkungen“ haben werde wie auf schweizerischer Seite: „Die Belastungen durch den Bau und Betrieb des Endlagers, der Oberflächenanlagen sowie der Brennelemente-Verpackungsanlage hören nicht an der Grenze auf.“

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Vize-Regierungssprecherin Christiane Hoffmann sagte, bislang habe es eine „gute Einbindung der deutschen Seite in den Auswahlprozess“ gegeben und die Bundesregierung hoffe, „dass dies auch fortgesetzt wird“.

Nach fast 50-jähriger Suche hatten sich die Schweizer Behörden für den Standort eines Atommüll-Endlagers entschieden. Das geologische Tiefenlager soll demnach im Gebiet Nördlich Lägern entstehen – unweit der deutschen Grenze. Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) hält dies für den sichersten Standort.

Das Bundesumweltministerium kündigte an, die Bevölkerung in den betroffenen grenznahen Regionen in Baden-Württemberg zu informieren. Man wollte sich aber noch nicht festlegen, wie lange die angekündigte Prüfung der schweizerischen Entscheidung dauern werde. Eine gemeinsame Nutzung des Lagers durch Deutschland und die Schweiz sei nicht geplant, sagte ein Sprecher.

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Zwar wäre dies „natürlich nicht unsinnig“, räumte er ein. Allerdings habe sich Deutschland entschieden, ein eigenes Lager einzurichten: „Wir sind für unseren Müll verantwortlich.“ Deutschland werde aber voraussichtlich erst 2031 den Standort festlegen.

In Bern verteidigte Nagra-Chef Matthias Braun die Standortwahl für das Atomendlager. Es sei aus geologischen Gründen der sicherste Ort für ein Tiefenlager, sagte er. „Es ist ein eindeutiger Entscheid, die Geologie hat gesprochen“, zitierten ihn Schweizer Medien.

Ein Container (Mitte) steht am Ort der Bohrung der schweizerischen Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver ...
Ein Container (Mitte) steht am Ort der Bohrung der schweizerischen Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) nahe Stadel. Hier soll das Endlager entstehen. Das Bild wurde von der deutschen Seite aus aufgenommen. | Bild: Philipp von Ditfurth/dpa

Laut Nagra hat die nötige Gesteinsschicht von Opalinus-Ton dort die beste Barrierewirkung und ist am weitesten von der Erdoberfläche entfernt. Zudem sei der für die Lagerung der radioaktiven Abfälle geeignete Bereich am größten. Opalinuston sei für die Tiefenlagerung von radioaktiven Abfällen ideal, weil das Gestein sehr dicht sei, radioaktives Material binde und sich bei Brüchen selber „heilt“, sagte Braun. (AFP)