Das ist die Überraschung der Woche: Wer den anatolischen Schwaben (Özdemir über Özdemir) schon abgeschrieben hat, muss umdenken. Aus dem Hinterzimmer des Verkehrsausschusses zieht es den Mann aus Bad Urach wieder an die Rampe. Der Top-Rhetoriker, den die Jamaika-Runde nach der Wahl 2017 schon als Außenminister sah, will mehr bewegen als nur Sitzungen zu leiten. Was könnte er im Schilde führen?

Harmonie und Schläfrigkeit

Dazu muss man die grüne Führungsquadriga betrachten: Während das Chef-Gespann Habeck-Baerbock den fulminanten Auftrieb der Grünen verkörpert, geben sich Göring-Eckart und Hofreiter an der Spitze der Fraktion wie Verwalter. Das dient zwar der Harmonie innerhalb der streitlustigen Ökopartei. Aber Özdemir könnte neue Akzente setzen und die Grünen im Parlament sichtbarer machen – was sie zurzeit kaum sind.

Steckt Kretschmann dahinter?

Aber ist das wirklich alles, was er will? Könnte es da nicht eine Absprache mit Winfried Kretschmann in Stuttgart geben? Tritt der bejahrte Landesvater 2021 nochmal an, ließe sich ein Fraktionschef Özdemir gut zum Nachfolger aufbauen. Dass die Chemie zwischen beiden stimmt, ist bekannt. Die Grünen machen es wieder mal spannend.