Bei dem Mann sei ein Personaldokument gefunden worden, sagte de Maizière am Mittwochabend in den ARD-“Tagesthemen“. “Aber ob das Personaldokument identisch ist mit diesem Mann, ist alles noch Gegenstand der Aufklärung.“ Deutschland habe vier BKA-Beamte nach Istanbul geschickt, die vollen Zugang zu den Ermittlungsergebnissen bekämen.

Die türkischen Behörden hatten schon wenige Stunden nach dem Anschlag verkündet, der Attentäter sei als 28-jähriger Syrer und Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) identifiziert worden. Ministerpräsident Ahmed Davutoglu erklärte dann am Mittwoch vor Journalisten, der Mann sei “als einfacher Migrant“ von Syrien in die Türkei eingereist. Er sei nicht wie ein gesuchter Verdächtiger verfolgt worden. Nun würden alle seine Verbindungen untersucht.

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, erklärte unterdessen, er habe keine Bestätigung dafür, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag auf eine deutsche Reisegruppe in Istanbul steckt. Man sei bisher noch nicht in die Ermittlungen eingebunden, sagte Maaßen am Donnerstag. „Wir wissen allerdings, dass die Türkei derzeit mehrere innenpolitische Konflikte hat. Einer ist der mit dem IS“, sagte Maaßen. Auch die kurdische Arbeiterpartei PKK habe wiederholt Anschläge in dem Land verübt. Maaßen erwähnte auch die linksextremistische Revolutionäre Volksbefreiungsfront DHKPC.
 

Vier weitere Festnahmen nach Anschlag von Istanbul

Nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul sind nach Angaben der türkischen Regierung insgesamt fünf Verdächtige festgenommen worden. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte in Istanbul, am Mittwoch sei es zu vier weiteren Festnahmen gekommen.

Nach Angaben von Innenminister Efkan Ala war ein erster Verdächtiger bereits am Dienstagabend festgenommen worden. Bei dem Anschlag am Dienstag waren zehn Deutsche getötet worden. Die türkische Regierung macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich, die sich bislang aber nicht dazu bekannt hat.

Zehn Deutsche kamen durch den Anschlag ums Leben

Wie das Auswärtige Amt bestätigte, hat sich die Zahl der getöteten deutschen Staatsbürger auf zehn erhöht. Zwei Deutsche erlagen inzwischen ihren schweren Verletzungen. Noch sieben weitere Deutsche seien nach dem Attentat vom Dienstag in Krankenhäusern in Istanbul, fünf von ihnen auf der Intensivstation. Außerdem gebe es drei Leichtverletzte, die noch am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen werden sollten.

Die stellvertretende Sprecherin des AA, Sawsan Chebli, sagte weiter, eine 33-köpfige deutsche Reisegruppe sei direkt von dem Attentat in der Altstadt der türkischen Metropole betroffen gewesen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es ein gezielter Angriff auf diese Gruppe gewesen sei. Allerdings sei der Anschlag noch nicht abschließend aufgeklärt.

Bundeswehr bereitet Rückführung deutscher Opfer vor

Über den Zeitpunkt und die Modalitäten für eine Rückführung der Toten und Verletzten nach Deutschland ist noch nicht entschieden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sei die Bundeswehr dazu „bereit und in der Lage“. Auch Schwerverletzte könnten mit einem Medevac-Airbus ausgeflogen werden. Die Entscheidung treffe der Krisenstab des Auswärtigen Amts.

Inzwischen befinden sich vier Beamte des Bundeskriminalamts BKA zur Unterstützung der Ermittlungen in Istanbul, teilte das Bundesinnenministerium mit. Auch ein Kriseninterventionsteam des AA ist nach Istanbul gereist.
Schon am Dienstag waren die Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei aktualisiert worden. Darin empfiehlt das AA deutschen Urlaubern „dringend“, alle Menschenansammlungen in der Millionenstadt Istanbul zu meiden. Eine pauschale Warnung sei dies jedoch nicht, sagte die AA-Sprecherin.

Ein Attentäter hatte sich am Dienstagvormittag mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee im historischen Zentrum Istanbuls in die Luft gesprengt.  Bei dem Anschlag sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes zehn Deutsche getötet worden. Wie eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Berlin sagte, werden sieben deutsche Verletzte in Krankenhäusern behandelt, davon fünf auf der Intensivstation. Zunächst war von acht deutschen Todesopfern die Rede gewesen. Der Selbstmordattentäter ist vor seinem Anschlag als Flüchtling in die Türkei eingereist. Der Syrer sei nicht als Terrorverdächtiger unter Beobachtung gewesen, sagte Regierungschef Ahmet Davutoglu.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière und der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu haben nach dem Selbstmordanschlag von Istanbul Verletzte besucht. Anschließend fuhren beide zum Anschlagsort in der Nähe der Blauen Moschee im Altstadtviertel Sultanahmet. Dort legten der Minister und der Regierungschef rote Nelken nieder, die in der Türkei Ausdruck der Trauer sind. Vor seiner Rückreise nach Deutschland wollte de Maizière noch mit Davutoglu zum Gespräch zusammenkommen.

Zeitung: Bundesinnenministerium warnt vor Terrorserie wie in Paris

Das Bundesinnenministerium befürchtet einem Medienbericht zufolge Anschläge in Deutschland nach dem Muster der Pariser Terrorserie vom November. Deutschland sei erklärtes und tatsächliches Ziel dschihadistisch motivierter Gewalt, zitierte die „Bild“-Zeitung aus einem vertraulichen Bericht des Ministeriums zur Sicherheitslage. Als das wahrscheinlichste Szenario gelten demnach „multiple, teilweise über mehrere Tage zeitversetzte, Anschläge“ mit Schusswaffen, unkonventionellen Sprengsätzen und Brandbomben.