Seit 88 Tagen ist Deutschland ohne neue Regierung – ein fragwürdiger Rekord in der Geschichte der bundesdeutschen Demokratie. Endlich aber bewegt sich etwas: Der Termin für den Start der Sondierungen steht fest, nach Dreikönig legen Union und SPD mit ihren Verhandlungen über eine große Koalition los. Wenn alles klappt, kann die neue Regierung bis Ostern stehen.

Kann. Muss aber nicht. Selten gingen Koalitionspartner so unlustig ans Werk wie dieses Mal. Und noch nie stand der Erfolg derart in Frage. Der entscheidende Stolperstein wartet Mitte Januar, wenn SPD-Chef Schulz mit ersten Verhandlungsergebnissen vor einen Sonderparteitag treten muss. In der Partei gärt es: Schulz braucht gute Argumente, wenn er die Genossen auf diese Reise mitnehmen will. Das schnürt seinen Spielraum beim Koalitionspoker mit CDU und CSU extrem ein. Will Merkel Neuwahlen oder eine Minderheitsregierung wirklich vermeiden, wird sie ihm bis zur Schmerzgrenze entgegenkommen müssen.