Mit jedem nachgekarteten Satz sieht der Zeitgenosse in Sachen CDU klarer: Bei der Konkurrenz zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz ging es eher beiläufig um Inhalte wie "konservativ" oder "liberal". Im Feuerofen des Wettbewerbs brannte anderes: die süße Glut der späten Rache. Es gibt in der CDU eine Handvoll zorniger alter Männer, die mit der Kanzlerin eine Rechnung offen haben. Schäuble, Koch oder der neuerlich erweckte Günter Oettinger melden sich in sabotierender Absicht.

Vor der Wahl galt das als Ausdruck gelebter Demokratie – da ist die CDU derzeit weiter als die Grünen. Nach der Wahl ist es nur noch schlechter Stil. Schäuble und seine Boygroup zeigen sich als schlechte Verlierer. Und als nachtragende Politiker, die alte Narben zur Richtschnur des Handelns machen – und das noch als Dienst an der Partei ausgeben. Schäuble zog bisher als Lokomotive die Südbaden-CDU. Nun beschädigt er den eigenen Ruf. Vielleicht sind 46 Jahre Bundestag einfach genug.