1. Wir müssen gelassen mit der Hitze umgehen. Macht Deutschland bald Siesta in der Mittagshitze? Löst die kalte Gemüsesuppe Gazpacho unsere heiß geliebte Kraftbrühe ab? Hat der Klimatechniker mehr Zukunft als der Heizungsbauer? Nachdem uns der Sommer mit dem Hitzehammer begrüßt hat, scheint es so. Das kann man zu Recht als nochmaliges Alarmsignal in Richtung Klimawandel verstehen. Aber wir werden mit den Extremtemperaturen leben müssen. Also: Nicht aufregen. Vor oder nach der Arbeit ein paar Bahnen in See oder Schwimmbad drehen. Viel trinken und den lieben Gott bei 35 Grad auch einfach mal einen guten Mann sein lassen. Und wer den Sommer dann immer noch nicht genießt, kann sich überlegen, ob er wirklich glücklicher wäre, wenn es 15 Grad und Dauerregen hätte. (dod)
    Das könnte Sie auch interessieren
    Abtauchen und genießen: Auch so kann man auf Hitze reagieren.
    Abtauchen und genießen: Auch so kann man auf Hitze reagieren. | Bild: Hendrik Schmidt (dpa)
  2. Minister aus Bayern dürfen ungestraft Geld zum Fenster herauswerfen. Mindestens 54 Millionen Euro sind weg. So viel Geld hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bereits ausgegeben, um der Ausländermaut auf deutschen Autobahnen freie Fahrt zu verschaffen. Die Europa-Richter haben ihren Daumen gesenkt – und deshalb wird es für den Steuerzahler noch teurer. Denn Scheuer hatte bereits fleißig Verträge geschlossen, um die Maut voranzubringen, und zwei Mautsammelfirmen verpflichtet. Die wollen jetzt auch Geld sehen. Obwohl man noch gar nicht weiß, wie viel das wieder kostet, darf Scheuer seinen Sessel behalten. Seine Chefin Merkel deckt ihn sogar. Er habe „nicht ewig Zeit verstreichen lassen wollen“. Aber Vorpreschen ohne Rechtssicherheit ist und bleibt auf Deutsch gesagt eine Dummheit. (mic)
    Das könnte Sie auch interessieren
    Verkehrsminister Andreas Scheuer (links) mit Vorgänger Alexander Dobrindt.
    Verkehrsminister Andreas Scheuer (links) mit Vorgänger Alexander Dobrindt. | Bild: Lisa Ducret/dpa
  3. Die AfD lernt nichts dazu. Zum Beispiel in den Parlamenten, in denen einfache Anstandsregeln gelten. Eine davon: Wenn eines Toten gedacht wird, stehen alle auf. Als der bayerische Landtag den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke würdigte, erhob sich das Plenum – bis auf AfD-Mann Ralph Müller. Der blieb sitzen, was er später damit begründete, dass er seine Rede vorbereiten musste. Klingt wie eine Ausrede und ist auch eine. Tatsächlich boykottieren die Vertreter dieser Partei immer wieder die Ordnung, die sich Parlamente im Lauf ihrer Geschichte gegeben haben. Dazu gehört Respekt besonders vor Menschen, die eine andere Meinung vertreten. Daran mangelt es der AfD. Denn Lübcke (CDU) hatte sich für die anständige Behandlung von Flüchtlingen starkgemacht. (uli)
    Das könnte Sie auch interessieren
    Ralph Müller, Abgeordneter der AfD, sitzt bei der Plenarsitzung im Bayerischen Landtag im Plenarsaal.
    Ralph Müller, Abgeordneter der AfD in Bayern, bleibt demonstrativ sitzen. | Bild: Tobias Hase/dpa
  4. Friedrich Merz hat noch viel vor. Vom früheren Chef der Unionsfraktion hören wir seit seinem überraschenden Comeback fast täglich etwas. Merz sorgt sich, Polizisten und Soldaten könnten AfD wählen und nicht CDU. Merz fordert mehr Verständnis für den Osten. Merz kündigt Wahlkampfauftritte in Brandenburg, Sachsen und Thüringen an. Hä? Wie bitte? Zog der Mann im Ringen um den CDU-Vorsitz nicht den Kürzeren? In den Schlagzeilen müsste Parteichefin Kramp-Karrenbauer sein, nicht der Rivale aus dem Sauerland. Ist sie aber nicht, weil sich da einer vordrängelt. Seine Karriere hat der 63-Jährige offensichtlich noch lange nicht abgehakt. Das Rennen um den CDU-Vorsitz hat er verloren, das Rennen um die Kanzlerkandidatur ist noch offen. Nach Ruhestand sieht das alles nicht aus. (dil)
    Der CDU Politiker Friedrich Merz sitzt beim Ständehaustreff der „Rheinischen Post“ an seinem Tisch.
    Auffallend viel auf Achse: der CDU-Politiker Friedrich Merz. | Bild: Henning Kaiser/dpa
  5. Man sollte die türkische Demokratie noch nicht abschreiben. Was sich zu Wochenbeginn in Istanbul bestätigte, war nicht weniger als der Sieg der Demokratie. Die Menschen ließen sich nicht abschrecken von der von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogans AKP initiierten Wiederholung der Bürgermeisterwahl. Deren Kandidat hatte beim ersten Wahlgang deutlich verloren – beim zweiten noch deutlicher. Die 18-Millionen-Einwohner-Metropole ist die wichtigste Großstadt der Türkei. Dass so viele Menschen den erneuten Urnengang auf sich genommen haben, zeigt, dass die Bürger sich nicht vorschreiben lassen wollen, wer ihre Stadt regiert. Erdogan könnte in Bedrängnis kommen: War diese Wahl der Beginn des Endes der Ära Erdogan? Und eine Rückkehr zu einer liberalen Demokratie? (mim)
    Anhänger des Oppositionskandidaten Imamoglu jubeln über dessen Wahlsieg.
    Anhänger des Oppositionskandidaten Imamoglu jubeln über dessen Wahlsieg. | Bild: Lefteris Piarakis/dpa
  6. Gipfel verdienen ihren Namen nicht: Als er die Arbeitsvorlage für den sogenannten Autogipfel am vergangenen Montag im Kanzleramt gelesen habe, sei ihm fast „die Zeitung aus der Hand gefallen“, sagte Südwest-Ministerpräsident Winfried Kretschmann nach der Veranstaltung. Diese hatte außer einiger wachsweicher Beteuerungen nichts Konkretes gebracht. „Schwer erträglich“, sagte Kretschmann, sei insbesondere die Vorbereitung des Gipfels. Er hat recht! Dazu kommt mangelnde Ressort-Abstimmung und ein bewusstes Aussparen heikler Punkte – ein Muster, das sich in nahezu allen Mobilitätsgipfeln infolge der Diesel-Krise der vergangenen 3,5 Jahre findet. Als Folge sind viele drängende Probleme im Verkehrssektor unbearbeitet. Die Gipfel, sie verdienen ihren Namen nicht mehr. (wro)
    Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, kommt zum Spitzentreffen zur Zukunft der Autoindustrie in das Bundeskanzleramt.
    Wirtschaftsminister Peter Altmaier kommt zum Autogipfel im Kanzleramt. | Bild: Paul Zinken (dpa)