Parteitage folgen ihren eigenen Regeln. Es geht um Symbole, um Bilder. Die Inhalte hingegen sind häufig vorher schon so weit durchchoreografiert, dass Überraschungen die Ausnahme sind. Um der Geschlossenheit willen tragen die Delegierten auch mal Beschlüsse mit, die sie eher mittelmäßig überzeugen – und machen ihrem Ärger hintenrum Luft. Insofern taugt Kretschmanns Bruddeln gegen die Parteifreunde eher nicht zum Skandal.

Dass sich der Ministerpräsident damit unglaubwürdig macht, hofft höchstens die Opposition. Und doch lässt der Mitschnitt tief blicken: Die Grünen sind eine Partei am Scheideweg zwischen Ideologie und Macht. Starre urgrüne Prinzipien mit Erziehungscharakter bringen keine Wahlergebnisse über 7 Prozent. Pragmatische Anpassung an die Mehrheitsmeinung hingegen verschreckt die treue grüne Stammbelegschaft. Um internen Streit und das Ringen für die jeweilige Überzeugung werden die Grünen nicht umhin kommen. So funktioniert Demokratie.