Schalke-Aufsichtsrat Clemens Tönnies hat sich despektierlich und verallgemeinernd über die Menschen eines ganzen Kontinents geäußert. Rassistischer geht es kaum. Doch Tönnies hat ausgesprochen, was nicht wenige in Deutschland denken. Zu tief ist das Gedankengut verankert, das aus der Kolonialzeit kommt und durch die weiße Europäer sich über andere Völker stellten.

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Die Ungleichheit des Menschen wurde als Tatsache hingestellt. Dieses Muster holt die Bundesrepublik in der Flüchtlingsdebatte wieder ein. Immer wieder durchbrechen rassistische Töne die Diskussion, die dadurch nicht mehr sachlich geführt wird oder schlicht in Rassismusvorwürfen endet. Eine Lösung zu finden, gerät aus dem Fokus.

Keine Rechtfertigung

Tönnies Äußerungen sind durch nichts zu rechtfertigen. Natürlich ist der Bevölkerungszuwachs in Afrika ein Problem. Das ist er aber auch in China und Indien. Niemand käme auf die Idee, die Chinesen, die gerade mit aller Macht auf den Weltmarkt drängen und sich anschicken, eine Weltmacht zu werden, zu unterstellen, sie seien minderbemittelt.

Genau das aber hat Tönnies mit seinen Aussagen über Afrika getan. Dabei ist das Schicksal des Kontinents eng mit Europa verknüpft. Es muss darum gehen, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, Fluchtgründe zu beseitigen. Dass mehr in afrikanische Länder investiert werden sollte, ist unstrittig. Doch Korruption und diktatorische Strukturen – an denen die Kolonialzeit ihre Mitschuld trägt – verhindern vielerorts echten Fortschritt.

Unterschwellige Angst

Wenn sich Deutsche über solche Probleme äußern, schwingt unterschwellig immer die Angst vor Rassismusvorwürfen mit. Zu schwer wiegt die Nazi-Vergangenheit, deren Klassifizierung von Menschen im Holocaust mündete. Die Tabuisierung, der Aufschrei bei Fragen, die womöglich zu Recht gestellt werden, verhindert eine echte Diskussion. Der politische Diskurs ist häufig geprägt von der Frage, ob man so etwas sagen darf oder sich damit schon als Rassist abstempeln lassen muss.

Nicht alle über einen Kamm scheren

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) lernt gerade diese Lektion. Er unterstellt, dass Flüchtlinge grundsätzlich ein höheres Gewaltpotenzial hätten. Im Gegensatz dazu ist die AfD bewusst im Grenzbereich unterwegs, verschiebt die Grenzen immer weiter. Rassisten bekommen innerhalb der Partei zunehmend Gehör, was dazu führt, dass sich die höchsten Vertreter der Partei selbst zu diffamierenden Äußerungen hinreißen lassen, bewusst pauschalisieren, stigmatisieren.

Sie reden daher wie US-Präsident Donald Trump. Einer, der nach der Regentschaft von Barack Obama bewusst auf die Stimmen der Rassisten im Land setzt – die Weißen, die Amerika immer noch als ihres sehen und Zuwanderer aus Lateinamerika als Bedrohung ihres Wohlstands wahrnehmen.

Zurück zur Sache

In Deutschland führen die populistischen Angriffe der AfD dazu, dass auch Vertreter bürgerlicher Parteien in einen Topf mit den Höckes dieses Landes geworfen werden. Das geht zu weit. SPD-Bürgermeister Heinz Buschkowsky machte sich angreifbar, weil er Muslimen in vielen Fällen ein „völlig absurdes Frauenbild“ unterstellte und eine „starke Kriminalitätsneigung“ – auch wenn sein Eindruck durch die Berliner Clans geprägt ist.

Boris Palmers Äußerungen über eine Werbung der Deutschen Bahn, die Menschen mit Migrationshintergrund zeigt, stellten in Frage, wie die deutsche Gesellschaft heute aussieht. Die Formulierung war unglücklich – aber rassistisch? Die meisten Menschen in Deutschland haben nach wie vor keinen Migrationshintergrund.

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Ein rassistisches Menschenbild hat in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz. Die Diskussion in Deutschland muss einen Weg zurück zur Sachlichkeit finden. Weg von Pauschalisierungen, hin zu lösungsorientiertem Denken. Wie kann Integration gelingen? Was steht ihr im Weg? Das sind die Fragen, mit der sich die politische Debatte auseinandersetzen muss.