Es war zu erwarten, dass der türkische Präsident Erdogan seine Arme um den aus der deutschen Nationalmannschaft zurückgetretenen Mesut Özil schlingt. Toll habe er das gemacht, deutschem Rassismus die Rote Karte gezeigt und sich "komplett patriotisch, national und regional" zur Türkei bekannt. Özil werden die warmen Worte aus Ankara gefallen haben.

Und er wird deshalb auch gar nicht bemerken, dass er vom Falschen vereinnahmt wird. Erdogan hat das Foto, das den Beginn einer unseligen Affäre markiert und am Ende zu Özils Bruch mit dem deutschen Fußball führte, mit Kalkül inszeniert. Ob sich Nachteile für die mit ihm abgebildeten Fußballer ergeben, war und ist ihm doch völlig egal.

Und jetzt nutzt er die Situation, um ein weiteres Mal über Deutschland herzuziehen, das er mehrfach schon mit der Nazi-Keule bearbeitet hat. Ein billiges Theater, das leider dazu taugt, hierzulande das Thema Integration weiter zu polarisieren. Schlecht oder richtig, gut oder böse, schwarz oder weiß – falsch! Die Mitte darf auf keinen Fall verloren gehen in dieser Debatte.