Wer auch immer aus der Kür als neuer Präsident der EU-Kommission oder als EU-Ratspräsident, als Parlamentschef oder als Hoher Beauftragter für die Außen- und Sicherheitspolitik hervorgeht – er muss für eine Union stehen, die dem Wähler zeigt: Wir haben euren Denkzettel verstanden.

Die Vorstellung, dass die großen Parteienfamilien einen Spitzenkandidaten ins Rennen schicken und ihn wochenlang als Inkarnation ihrer EU-Politik feiern, ihn nach der Wahl aber fallenlassen und ins Abseits schieben, hat etwas Gespenstisches. Es wäre dem Wähler auch nicht plausibel zu machen. Insofern war es richtig, dass die Fraktionschefs gestern noch vor den Staatenlenkern klar gemacht haben: Entweder ihr haltet euch an den eingeschlagenen Weg und schlagt uns nur jemanden vor, der auch zuvor Spitzenkandidat war – oder wir lehnen euren Bewerber ab. Alles andere würde das Parlament endgültig zu einem hörigen Erfüllungsgehilfen des elitären Gipfelclubs machen.