Die Debatte war absehbar: Eine Gruppe, darunter mehrere Syrer, vergewaltigt eine junge Frau in Freiburg. Auch ein Deutscher war dabei – Berichten zufolge ein eingebürgter Syrer, der den deutschen Pass bekommen hat. Ist er deshalb immer noch Syrer? Oder ein Deutscher mit syrischen Wurzeln?

Die hitzige und bisweilen hasserfüllte Debatte scheint sich mehr an dieser Frage aufzuhängen denn an der grausamen Tat.

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Eine junge Frau ist Opfer eines Gewaltverbrechens geworden, ihre Peiniger müssen bestraft werden. Dieses Prinzip steht aber lösgelöst von der Nationalität: Das deutsche Recht macht keinen Unterschied zwischen der Herkunft von Menschen.

Dennoch scheint diese Frage einige Bürger zunehmend umzutreiben: Was ist deutsch? Muss der Deutsche um seine Identität fürchten, weil unsere Gesellschaft vielfältiger wird? Natürlich wirft die Migration der vergangenen Jahre Alltagsfragen auf.

Diskussion über gelungene Integration muss geführt werden

Wie kann Integration funktionieren? Welche Traditionen und Bräuche sind mit den Grundrechten und -freiheiten der Menschen hierzulande vereinbar? Darüber scheiden sich die Geister. Und dennoch ist es diese Diskussion, die geführt werden muss. Um Ängste zu zerstreuen und Raum zu schaffen für Toleranz – denn nur so funktioniert das Zusammenleben in einer Gesellschaft.

Die Frage der Integration ist deshalb vielleicht schlicht falsch gestellt. Denn sie setzt Anpassung voraus. Sie mag in einigen Punkten richtig und wichtig sein, etwa darin, dass Menschen, die hierher kommen, sich bemühen sollten, unsere Sprache zu lernen.

Gleichzeitig sind Flüchtlinge oft am Rand oder außerhalb der Stadt in Wohnblöcken untergebracht – abgesondert von der Gesellschaft, die Anpassung von ihnen fordert. Molenbeek, die Brüsseler Bezirk, wird als Hort des Terrors verschrien, der Islam für einige zum Sinnbild des Bösen. Eine andere Religion aber darf kein Grund sein, jemandem zu misstrauen. Das sollte gerade in Deutschland mit seiner dunklen Geschichte jedem bewusst sein.

Wie schon im Fall Maria L. droht die Diskussion in Freiburg auch im aktuellen Fall in eben diese Richtung abzudriften. Wenn die AfD dies für ihre Zwecke instrumentalisiert, sollten die Alarmglocken aller schrillen. Wer hierzulande Verbrechen begeht, muss bestraft werden.

Was diese Gruppe, die zum großen Teil aus Syrern bestand, getan hat, ist zu verurteilen. Aber die Tat rechtfertigt nicht, alle anderen Syrer, die auf der Flucht vor Krieg, Vergewaltigung und Mord geflohen sind, gleich mit zu verurteilen, obwohl sie sich nichts zuschulden kommen lassen.

Zu Recht wirft das Verbrechen in Freiburg Fragen auf. Aber sie müssen richtig gestellt werden. Sie sollten sich nicht um die Nationalität der Täter drehen, sondern vielmehr darum, warum unsere Justiz nicht in der Lage ist, diese Gesellschaft vor solchen Gewaltverbrechen zu beschützen – und sie schließt alle mit ein, auch jene, die andere Wurzeln haben. Diese Frage kann man sich stellen in Fällen wie dem Staufener Missbrauchsprozess. Christian L. ist vorbestraft und im Übrigen ein Deutscher. Der Krankenhausmörder Niels H. ist ein weiteres Beispiel.

Recht und Gesetz stehen über allem

Doch wenn Gesellschaften beginnen, Menschen wie Aussätzige zu behandeln, ist das der falsche Weg. Wir könne nicht Integration fordern, wenn wir sie selbst nicht wirklich anbieten. Wer hierherkommt, muss unser Recht und Gesetz akzeptieren, das steht außer Frage. Doch wenn wir Toleranz und Akzeptanz von anderen fordern, müssen wir diese auch entgegenbringen.

Die Lösung liegt in der Akzeptanz, dass die Gesellschaft sich verändert und dadurch auch reicher werden kann. Ohne junge Menschen aus dem Ausland droht unsere "deutsche" Gesellschaft zusammenzubrechen, sie ist schon jetzt überaltert.

Wir brauchen den Einfluss von außen und können daran wachsen. Dazu gehört auch, zwischen Verbrechern und Hilfesuchenden, zwischen Integrationswilligen und Unbelehrbaren zu unterscheiden – unabhängig von ihrer Nationalität.