1. Die britische Demokratie zuckt nochPremier Boris Johnson hat die älteste Demokratie der Welt angegriffen. Und die Retourkutsche vom Obersten Gerichtshof bekommen. Ein größeres Ei hätte er sich kaum legen können. Manchmal fragt man sich, ob Johnson noch weiß, was er tut. Anders ist es kaum mehr zu erklären, mit welcher Vehemenz der Regierungschef versucht, den ungeordneten Austritt aus der EU zu erzwingen, über die Köpfe der Abgeordneten und Recht und Gesetz hinweg. Dass er dafür auch noch die Queen benutzte, dürften ihm selbst die Wähler übel nehmen. Die britische Monarchie ist ja praktisch heilig. Man fragt sich, wen man stärker bemitleiden soll. Die Queen? Oder Johnson? Eine Lösung für den Brexit ist jedenfalls ferner als die französische Küste von Dover aus. (mim)
    Der britische Premier Boris Johnson macht sich angreifbar.
    Der britische Premier Boris Johnson macht sich angreifbar. | Bild: Tolga Akmen/afp
  2. Anklagen sind kein Urteil. Im Prozess um die Freiburger Gruppenvergewaltigung hat sich das Blatt gewendet. Drei von elf Tatverdächtigen kommen auf freien Fuß. Was das für den Stand der Anklage bedeutet, ist noch nicht absehbar. Doch eines war in diesem Gerichtsprozess von Anfang an klar: Die Beweisführung dürfte schwierig werden. Ein mutmaßliches Opfer, das wegen Drogen und ihm verabreichten Betäubungsmitteln Erinnerungslücken hat, Männer, die behaupten, die Frau habe es nicht anders gewollt. Verurteilt werden wohl nicht alle Angeklagten in diesem schwierigen Fall. Der Rechtsstaat ist an Prinzipien gebunden, eine Tat muss zweifelsfrei nachweisbar sein. Andernfalls gilt die Unschuldsvermutung. Das ist auch gut so. Aber an diesem Fall ist es einfach bitter. (mim)
    Angeklagte sitzen vor dem Prozessbeginn im Gerichtssaal im Landgericht.
    Angeklagte sitzen vor dem Prozessbeginn im Gerichtssaal im Landgericht. | Bild: Patrick Seeger/dpa
  3. Der Brite wächst in der Krise über sich hinaus. Ordentliche Politik machen kann man auf der Insel nicht mehr. In Brexitannien regiert nicht Boris Johnson sondern der Stillstand. Irgendwann könnte es sein, dass die vier Uhren am Glockenturm Big Ben rückwärts gehen. Dann hätte Thomas Cook wieder Geld auf dem Konto und man müsste nicht 150 000 Urlauber nach Hause holen. Aber bei Krise ist der Brite einfach unschlagbar. Binnen zwei Tagen waren schon 30 000 Urlauber wieder daheim! Da fließen die Erfahrungen der Berliner Luftbrücke mit rein und 300 Jahre Herrschaft über alle Ozeane. Aber es zeigt sich auch der unglaubliche Sportsgeist, der die Briten beseelt, wenn Böses naht. Zum Beispiel in Gestalt übler Nazis. Denen bot Churchill eine Ewigkeit allein die Stirn. Und gewann den Krieg. (mic)
    Passagiere besteigen eine deutsche Maschine der Airline Thomas Cook.
    Passagiere besteigen eine deutsche Maschine der Airline Thomas Cook. | Bild: dpa
  4. Die Grünen sind ein Kanzlerwahlverein.Diese Woche haben uns die Grünen bewiesen, dass sie es lieber gemütlich haben wollen, anstatt zu streiten, im Grunde: Dass sie so eine Art CDU sind. Cem Özdemir meinte, in die Fraktion müsse mehr Pfiff kommen. Deshalb sollten Katrin Göring-Eckhardt und Anton Hofreiter ihre Plätze räumen. Spannend, aber die Grünen lebten gepflegte Langeweile vor und bestätigten die Platzhirsche im Amt – wenn auch mit dürftigem Vorsprung. Fazit: Grün lernt von Schwarz. Dort wählt man brav den, den man schon immer gewählt hat, ob er nun Adenauer, Kohl oder Merkel heißt. So bleibt man schön an der Macht. Und an die wollen die Ökos im Bund ja auch! Wenn sie so weiterdösen, ist der Kanzler 2021 grün. Wie hieß es einst bei der CDU? Keine Experimente! (mic)
    Gerettet: Göring-Eckardt, Hofreiter (links) und gescheitert: Özdemir.
    Gerettet: Göring-Eckardt, Hofreiter (links) und gescheitert: Özdemir. | Bild: Kay Nietfeld/dpa
  5. Beim Thema Auto hört für viele Deutsche der Spaß auf. Tausende Liebhaber PS-starker Benzinkutschen fürchten um ihre Freiheit im Straßenverkehr und sehen in der Fridays-For-Future-Bewegung um Greta Thunberg die Wurzel allen Übels. Aus Protest haben deshalb einige Autofans die Facebook-Gruppe „Fridays For Hubraum“ gegründet, die dem „überhand nehmenden Klimawahn mit Spaß entgegentreten“ wollte. Mit dem Spaß war es jedoch schnell wieder vorbei. Die Betreiber hatten offenbar unterschätzt, wie wütend der deutsche Autofahrer werden kann, wenn jemand droht, ihm sein Heilig‘s Blechle zu vermiesen. Die Folge: Fast 400 000 Mitglieder in drei Tagen, Hass und Hetze in den Kommentarspalten und eine Gruppe, die schneller wieder offline war als man „Hubraum“ sagen kann. (svg)
    Fast 400.000 Autofans formieren sich in der Gruppe „Fridays For Hubraum“.
    Fast 400.000 Autofans formieren sich in der Gruppe „Fridays For Hubraum“. | Bild: dpa
  6. Sebastian Vettel kann noch gewinnen. Endlich war es für den Heppenheimer soweit: Der deutsche Formel-1-Pilot hat mal wieder einen Großen Preis gewonnen. Beim Nachtrennen in Singapur verwies Vettel seinen Teamkollegen Charles Leclerc und den Holländer Max Verstappen auf die Plätze. Damit beendete der Ex-Weltmeister seine lange Leidenszeit: Das letzte Rennen gewann Vettel nämlich 392 Tage zuvor, beim Großen Preis von Belgien am 26. August 2018. Zudem scheint Singapur ein gutes Pflaster für den Deutschen zu sein. Bereits zum fünften Mal hieß der Sieger Vettel. Doch trotz des Doppelerfolgs von Ferrari sorgten Vettel und Teamkollege Leclerc für Zündstoff. Die Beiden kämpfen im Rennstall der Italiener um die Nummer eins. Fakt ist: Vettel ist noch nicht abgeschrieben. (jwi)
    Sebastian Vettel spritzte mit Champagner nach seinem ersten Saisonsieg.
    Sebastian Vettel spritzte mit Champagner nach seinem ersten Saisonsieg. | Bild: Vincent Thian/dpa