• Auslöser: 2016 war ein schwieriges Jahr für Europa. Großbritannien stimmte für den Austritt aus der EU. Die Europäische Union fiel in eine Schockstarre – dass die Briten tatsächlich, nach Jahrzehnten in der Gemeinschaft, einer prosperierenden Wirtschaft und mit London als Finanzplatz Europas auf die Idee kommen könnten, sie seien ohne die EU besser dran, kam für viele überraschend.
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  • Schicksalsjahr: 2017 standen Wahlen an – in gleich drei der sechs Gründerstaaten der Gemeinschaft: Franzosen, Niederländer und Deutsche waren zu den Urnen aufgerufen. In den Niederlanden wetterte der Rechtspopulist Geert Wilders gegen die EU, in Frankreich schickte sich Marine Le Pen an, Frankreichs rechte Präsidentin zu werden, in Deutschland nahm sich die AfD vor, in den Bundestag einzuziehen. Zugleich stand Europa geschwächt da, gebeutelt von den Folgen der Flüchtlingskrise, erschüttert von dem bevorstehenden Verlust eines Mitglieds.
Teilnehmer einer Pulse Of Europe-Kundgebung in Konstanz.
Teilnehmer einer Pulse Of Europe-Kundgebung in Konstanz. | Bild: Alexander Holupirek
  • Gründung: Es war diese Atmosphäre, in der in Frankfurt die Graswurzelbewegung „Pulse of Europe“ ins Leben gerufen wurde. Die Anwälte Sabine und Daniel Röder kamen in ihrem Freundeskreis auf die Idee, für Europa aktiv zu werden – um die Zukunft der EU zu sichern. Ihr Ziel: „den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen“. Menschen in vielen deutschen Städten schließen sich an, auch in anderen Ländern bilden sich Gruppen.
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  • Ziel: „Nationalistische und protektionistische Strömungen vergrößern die globalen Probleme der heutigen Zeit“, finden die Gründer: „Wir brauchen ein vereintes Europa heute mehr denn je“, glauben sie. Auf dem Spiel stehe „die Bewahrung eines Bündnisses zur Sicherung des Friedens und zur Gewährleistung von individueller Freiheit und Rechtssicherheit“.
Auf der Konzil-Plattform am Gondelehafen finden immer wieder Kundgebungen von „Pulse of Europe“ statt, um für Europa zu demonstrieren.
Auf der Konzil-Plattform am Gondelehafen finden immer wieder Kundgebungen von „Pulse of Europe“ statt, um für Europa zu demonstrieren. | Bild: Ahlebrandt, Sylvia
  • Vorbilder: Proeuropäische Initiativen sind allerdings keine Neuerscheinung. Bewegungen dieser Art gab es schon zu Zeiten der Weimarer Republik. Als älteste Bewegung zur Förderung der europäischen Integration gilt die 1922 gegründete Paneuropa-Union. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden weitere Initiativen: In Deutschland entstand 1946 die Europa-Union, 1949 folgte die Jugendorganisation Junge Europäische Föderalisten (JEF) sowie die Europäische Bewegung Deutschland (EBD).
  • Nachahmer: Neben „Pulse of Europe“, das inzwischen Ableger in vielen europäischen Ländern hat, gibt es viele weitere proeuropäische Initiativen wie „Stand Up For Europe“, „WhyEurope“, „Laute Europäer“, „We are Europe“ oder „Who, if not us“.