Die Menschen hören ihm noch immer gebannt zu. Wenn Klaus Töpfer auf das Pult zugeht, ist er ein alter Herr, 80 Jahre alt. Sobald er das Wort ergreift, strahlt er wie vor 30 Jahren: ein Umwelt-Aktivist vor konservativem Hintergrund. Einer, der frei spricht und die Zusammenhänge zwischen menschlichem Hausen und den ökologischen Folgen in wenigen Sätzen umreißen kann wie nur wenige außer ihm.

Ab und zu kommt er aus dem Konzept. Bei seinem Thema ist das aber kein Problem. Wenn der Fichtenwald zu Ende ist, springt er zu den Meeressäugern und dann nach Afrika, wo er acht Jahre das Umweltprogramm der Vereinten Nationen leitete. Anregend ist es immer und herausfordernd. Zum Beispiel dieses: „Nachhaltig bist du dann, wenn du die Kosten deiner Entscheidung selbst trägst.“

Der Öko-Pionier in der CDU

Erst später sieht man ihm die Müdigkeit an. Es ist ein langer und heißer Abend im Konstanzer Konzil. Klaus Töpfer hat das Publikum schnell auf seiner Seite. Das hat mindestens zwei Gründe: Der studierte Betriebswirt und Professor formuliert wie ehedem verständlich und prägnant. Wer Töpfer zuhört, hat mindestens das Gefühl, den Klimawandel zu verstehen.

Zum Zweiten strahlt er noch immer die Zuversicht aus, als er 1987 in Helmut Kohls Kabinett eintrat und das Umweltressort übernahm. Die Umwelt war damals der blinde Fleck der CDU, etwas, was die meisten Mitglieder als lästig, bauernfeindlich oder als spinnert abtaten. Klaus Töpfer war in der eigenen Partei viel belächelt.

Klaus Töpfer als Minister der Regierung von Helmut Kohl (1991).
Klaus Töpfer als Minister der Regierung von Helmut Kohl (1991). | Bild: dpa

Dabei öffnete er die Konservativen für die Ökologie. Heute gilt er als einer der großen alten Herren seiner Partei. Nach dem Tod von Heiner Geißler sind es nicht mehr so viele, bei denen der Begriff Urgestein fällt. Töpfer ist ein solches Urgestein.

Sein Ansehen ist über die Jahre hinweg noch gewachsen. Das hängt auch damit zusammen, dass man Töpfer nie als Karrieremacher wahrnahm. Sondern als jemand, der sich für sein Lebensthema einsetzt. Später wurde er noch Bauminister, was auch tief in Umweltbelange eingreift. Bauen heißt immer versiegeln, zerstören, betonieren. In einem anderen Ressort wäre der gebürtige Schlesier nicht denkbar. Er ist der Marathonmann der Ökologie. Töpfer ackert auf einem Feld, aus dem sich andere längst wegen Müdigkeit verabschiedet haben.

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Für seine vier Enkel habe er keine Zeit, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung. Zu beschäftigt ist der ehemalige Bundesminister. Für die Generation seiner Enkel hat er aber viel Verständnis. Fridays for Future nennt er faszinierend. Die Richtung dieser Bewegung passt. Ihn stimmt zuversichtlich, dass junge Leute heute für gute Luft und sauberes Wasser auf die Straße gehen. Ob in der Schulzeit oder nicht? Den Einwand wischt Töpfer weg. Er ist ein Mann fürs Globale.

Als Schlichter auf dem Balkan

Die Liste der Mitgliedschaften ist lang für einen Mann, der bald 81 Kerzen am Kuchen ausblasen kann. Er sitzt in Gremien, die sich mit der Entsorgung nuklearer Abfälle beschäftigt. Oder er bringt sich bei der Welthungerhilfe ein. Klima und Afrika, beides sind Leitmotive seines politischen Lebens, die heute deutlicher denn je heraustreten. Die Umwelt-Agenda war nicht immer so populär wie im Sommer 2019. Töpfer verteidigt sie dennoch, am meisten innerhalb seiner eigenen Partei.

Im vergangenen Jahr ließ er sich auf den Balkan entsenden; er sollte den Stromstreit zwischen Kosovo und Serbien schlichten. Zurzeit stapeln sich bei ihm die Anfragen für Talkshows. Die meisten lehnt er ab. Das Aufplustern braucht er nicht mehr.

Sein jüngstes Projekt: Mit zwei anderen Aktivisten gründete er ein Ideen-Büro („Thinktank“) mit Sitz in Berlin. Er sprudelt, wenn er davon erzählt. Noch etwas registriert er mit Genugtuung: In der CDU gebe es inzwischen einige tüchtige Politiker, für die Ökologie eine Richtschnur bilde. Er nennt Ursula Heinen-Esser (Umweltministerin, Nordrhein-Westfalen) oder Andreas Jung (Fraktionsvize, Wahlkreis Konstanz).

Und das überrascht an dem Veteranen der Bewegung am meisten: Er ist ein unbeirrbarer Optimist. Bis heute argumentiert er rational. Klima ist ein kausales Geschehen, das erklärbar ist. Die Sprache der Apokalypse ist ihm fremd.