Keine Waffen mehr? Auch Deutschland und Frankreich setzten alle Waffenlieferungen aus, die Ankara für den Kampf gegen die kurdische YPG-Miliz verwenden könnte.

Auf ein EU-weites Waffenembargo konnten sich die EU-Mitglieder dagegen nicht einigen. Der Effekt eines solchen Embargos wäre aber ohnehin begrenzt, da die Türkei nur einen geringen Teil ihrer Waffen aus Europa bezieht.

Einer der größten Waffenimporteure der Welt

Die Türkei war lange einer der größten Waffenimporteure der Welt. In den vergangenen Jahren hat sie aber eine eigene Rüstungsindustrie aufgebaut, die zunehmend den Bedarf des Militärs deckt und auch für den Export produziert - mit den Emiraten, Pakistan und Oman 2018 als Hauptabnehmern.

Bis 2023 will die Türkei unabhängig von Waffenimporten werden. Schon heute bezieht sie 70 Prozent der Rüstungsgüter aus eigener Fertigung. Unter den hundert weltweit größten Rüstungsfirmen finden sich heute die türkischen Konzerne Aselsan und Turkish Aerospace Industries.

Kampfhelikopter, Kriegsschiffe und Artilleriegeschütze

Türkische Firmen produzieren bereits Kampfhelikopter, Kriegsschiffe und Artilleriegeschütze. Die Firma Baykar hat zudem Kampf- und Aufklärungsdrohnen entwickelt, die gegen die PKK im Irak, aber auch in der Türkei eingesetzt werden.

Auch bei der aktuellen Offensive kommen sie zum Einsatz. Ebenfalls in Entwicklung in der Türkei sind moderne Kampfflugzeuge und Kampfpanzer. Ein Großteil der derzeit verwendeten Waffen stammt aber noch aus dem Ausland, weshalb die Türkei auf Importe von Ersatzteilen angewiesen bleibt.

Die Luftwaffe verwendet insbesondere US-Kampfjets vom Typ F-16 und F-5, während im Heer deutsche Leopard-Panzer sowie US-Panzer vom Typ M-1 und M-48 zum Einsatz kommen.

Wichtigster Waffenlieferant der Türkei im vergangenen Jahr waren die USA

Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri war der mit Abstand wichtigste Waffenlieferant der Türkei im vergangenen Jahr die USA, gefolgt von Italien, Spanien, Deutschland und den Niederlanden.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren betrachtet stand Deutschland nach den USA und Südkorea an dritter Stelle. Auf den folgenden Plätzen rangierten zwischen 2008 und 2018 Italien, Spanien und Israel. Die Türkei hat 2015 von Spanien seinen ersten Flugzeugträger bestellt und in den USA mehr als hundert Kampfjets vom Typ F-35 geordert.

Zuletzt war Ankaras Verhältnis zu den Nato-Partnern aber zunehmend angespannt. Für Ärger sorgte insbesondere die Entscheidung Ankaras, von Russland das Luftabwehrsystem S-400 zu kaufen. Trotz drohender US-Sanktionen wurden die ersten Teile im Sommer bereits geliefert.

Wegen des Rüstungsdeals mit Moskau hat Washington die Türkei vom F-35-Projekt ausgeschlossen. Nicht nur wird Ankara keine Maschinen erhalten, sondern auch die Beteiligung türkischer Firmen wurde gestoppt. Die Türkei hat daraufhin verkündet, den Kauf russischer Kampfjets vom Typ Su-35 zu erwägen. Bei ihren Nato-Partnern verstärkte dies die Sorge vor einer weiteren Abwendung der Türkei vom Westen.

Trotz dieser Spannungen bleibt die Türkei der Hauptabnehmer deutscher Rüstungsgüter. Von Januar bis April erhielt sie aus Deutschland Kriegswaffen im Wert von 184,1 Millionen Euro, wie die Bundesregierung im Juli mitteilte.

Damit liegt sie wie im Vorjahr mit Abstand an der Spitze der Abnehmer deutscher Rüstungsgüter. Bei den Lieferungen handelt es sich laut der Regierung ausschließlich um „Ware für den maritimen Bereich“. Schon vergangenes Jahr waren die Lieferungen im Wert von 242,8 Millionen Euro praktisch komplett für die türkische Marine bestimmt.

Nach Angaben aus Berlin ging es dabei um Materialpakete für U-Boote deutscher Produktion. Da die Bundesregierung nur die Lieferung von Waffen gestoppt hat, die bei den Kämpfen in Syrien eingesetzt werden können, sind diese Exporte im Prinzip nicht betroffen.

(AFP)