Endlich legt die Kanzlerin die Karten auf den Tisch. Neue Generalsekretärin der CDU wird Annegret Kramp-Karrenbauer, bisher Ministerpräsidentin im Saarland. Damit ist klar, wem Angela Merkel zutraut, ihre Nachfolge anzutreten. Bewährt sich die neue Kronprinzessin in ihrer schwierigen Aufgabe und gelingt es ihr, die Kursdebatte in der Union unter Kontrolle zu bekommen, läuft die Nachfolge im Parteivorsitz zwangsläufig auf die 55-jährige Saarländerin zu – und damit auch die Kanzlerkandidatur, wenn Merkel dereinst in den Ruhestand geht. Rivale Jens Spahn, den ebenfalls viele auf der Rechnung hatten, zieht den Kürzeren. Er hat in den vergangenen Monaten offen Stimmung gegen die Chefin gemacht. Jetzt flattert ihm die Quittung auf den Tisch. 

Auch inhaltlich sind damit die Würfel gefallen. Kramp-Karrenbauer steht für eine moderne CDU mit christdemokratischen Grundsätzen. Eine konservative Kehrtwende, wie Jens Spahn sie anstrebt, oder gar ein Rechtsruck ist mit ihr nicht zu machen. Merkels Personalentscheidung ist damit auch eine Richtungsentscheidung. Sie lautet: Die CDU versteht sich weiter als  Volkspartei der Mitte, als moderne, zukunftsorientierte Kraft, die Deutschland modernisieren will, anstatt vergangenen Zeiten nachzutrauen. Nicht alle in der Partei sehen das so. Sie werden sich mit Nachdruck zu Wort melden.  Die  neue Generalsekretärin wird sich warm anziehen müssen.