Gebannt schauen viele Bürger nach Chemnitz. Der Auslöser für die Proteste tritt längst in den Hintergrund – die Bluttat an einem 37-Jährigen. Um Aufklärung geht es Pegida und Co. nicht. Mit Gewalt und Geschrei ist noch kein Kriminalfall gelöst worden. Die Allianz aus Rechten und Mitläufern will anderes: aus Chemnitz einen dumpfen Dauerzustand machen.

Bleibt die Frage: Wo sind die Stillen, die Vertreter des bunten, lebensfrohen Chemnitz, von dem so viel die Rede ist? Diese andere Stadt gibt es, doch versteckt sie sich wie ein junges Pflänzchen. Der Aufmarsch der Rechten war zahlenmäßig mehr als doppelt so stark.

Warum traut sich die breite bürgerliche Mitte nur zaghaft auf die Straße? Eine Handvoll Promis unter Polizeischutz reichen nicht, um einem extremistischen Haufen zu zeigen, dass das Land nicht den Wenigen gehört. Es gehört allen. Dafür muss die schweigende Mehrheit erst jenes Sofa verlassen, auf dem sie breit sitzt und ihre Stadt in den Fernsehnachrichten sieht.