Ein findiger Statistiker der Brüsseler EU-Kommission hat erst vor wenigen Wochen ausgerechnet, dass die Union jeden Bundesbürger pro Tag 84 Cent kostet – so viel wie eine Tasse Cappuccino. Daran würde sich auch mit der durchaus ambitionierten Forderung des Europäischen Parlamentes kaum etwas  ändern, die Steigerung läge im einstelligen Cent-Bereich. Nur: Darum geht es nicht. Dass die EU Projekte finanziert, die nicht nur auf nationaler, sondern auch auf regionaler und lokaler Ebene sonst nicht bezahlbar wären, gehört zur Wahrheit dazu. Ebenso wie die Tatsache, dass von jedem Euro, der nach Brüssel überwiesen wird, 95 Cent in die Mitgliedstaaten zurückfließen. Das scheint beeindruckend, verpufft aber in öffentlichen Diskussionen, weil es genügend Beispiele für fragwürdige Ausgabenpositionen gibt.

Nahezu jede Verhandlungsrunde über eine anstehende siebenjährige Finanzperiode wurde mit Forderungen nach effizienterem Haushalten eingeleitet. Doch bei näherem Hinsehen, entpuppten sich die Etats eben doch als notwendig, einige sogar als sinnvoll: Dass Landwirte Zuschüsse für die Produktion qualitativ hochwertiger Lebensmittel bekommen und Regionen aufgepäppelt werden, die sonst den Anschluss verlieren würden, ist eine genuine EU-Aufgabe. Nun kommen neue Aufgaben hinzu. Wer kürzen will und Einschnitte zu akzeptieren bereit ist, soll den Finger heben. Bisher hat das kein Mitgliedstaat getan.