Für viele US-Demokraten scheint es nicht die Frage zu sein, ob Donald Trump in zwei Jahren wiedergewählt wird. Für sie steht vielmehr die Frage im Vordergrund, wer den Präsidenten nach einer Amtszeit ersetzt. Das alte Schlachtroß Joe Biden, unter Obama Vizepräsident, scheint die besten Chancen zu haben, glaubt man Umfragen.

Das könnte auch für das texanische Politik-Wunderkind Beto O`Rourke gelten, wenn er sich denn bewirbt. Er zog am Montagabend bei einer Gegendemonstration in El Paso zu einem Trump-Auftritt Tausende in seinen Bann. Doch die Trump-Veranstaltung in der stark demokratisch wählenden Grenzstadt zeigte auch: Der Präsident ist immer noch in der Lage, obwohl von Skandalschlagzeilen, Untersuchungsausschüssen und Justizermittlungen umgeben, eine enorme Fan-Basis zu mobilisieren.

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Das liegt vor allem daran, dass Donald Trump ein begnadeter Populist ist, der es zwar mit Fakten nicht so genau nimmt, aber es geschickt versteht, die für die Bürger wichtigsten Themen zu vertiefen: Die Arbeitsmarktlage und die Migrations-Problematik. Die Demokraten in Washington wiederum und einige der bereits erklärten Kandidaten für 2020 haben sich auf die Formulierung festgelegt, der Bau neuer Grenzbefestigungen – sei es nun eine Betonmauer oder ein Stahlgerippe – sei "unmenschlich".

Das ist eine Ansicht, die einem wichtigen Teil der Wählerschaft nur schwer zu vermitteln sein dürfte. Denn in der Tat gibt es Stellen im Grenzverlauf zu Mexiko, wo illegale Migration, Drogenschmuggel und Menschenhandel zu leicht und unkontrolliert stattfinden können. Und wenn irgendwo Zäune fehlen, versteht dies auch der politisch eher ungebildete Bürger.

Nun hat es in der Frage der Finanzierung neuer Schutzanlagen einen Kompromiss zwischen beiden großen Parteien gegeben, dem auch der Präsident zustimmen könnte. Die Vereinbarung erlaubt eine Gesichtswahrung, und an einem erneuten "Shutdown" – einem Zwangsurlaub für einen großen Teil der Beamten in der US-Regierung und der Verwaltung – kann das Weiße Haus kein Interesse haben.

Zu massiv waren die Medienkritik und auch die ökonomischen Folgen des letzten mit 34 Tagen Dauer Rekord-Shutdowns, als dass Trump dies erneut riskieren wird.

Bei der Mauer- und Migranten-Debatte, bei der die Kernfragen von Trump und den Demokraten extrem unterschiedlich gesehen werden, darf allerdings eines nicht vergessen werden: Die Grenze zu Mexiko und die stellenweise fehlende Absicherung sind es nicht, die der Mehrheit der illegalen Migranten den Zutritt erlauben oder die den Drogenschmugglern das Leben erleichtern.

Statistiken belegen, auch wenn Trump dies nicht hören möchte, dass die meisten Illegalen durch legale Eintrittspunkte wie Flughäfen mit einem Visum ins Land kommen, nach dessen Ablauffrist bleiben und dann untertauchen. Und die derzeit so viel debattierte Drogen-Problematik wie das oft tödlich wirkende Fentanyl? Ein großer Teil der Produkte erreicht die USA weiter durch Schmuggler über reguläre Kontrollstellen oder – wie Fentanyl – mit der Post aus Ländern wie China.

Die Behauptungen des Präsidenten, die die Forderung nach dem Mauerbau immer wieder zu zementieren versuchen, scheinen also trotz der Lücken im Grenzverlauf vielfach aufgebauscht. Doch die wichtigen Details gehen oft im Lärm des Parteienstreits unter, bei dem von beiden Seiten generalisiert und pauschalisiert wird. Eine ehrliche faktenbasierte politische Debatte zum Thema Migration, die auch das Schicksal der rund 800 000 Dreamer – Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern illegal in die USA kamen – behandelt, wird allzu gerne vernachlässigt, auch vom Präsidenten.

Sehen die Wähler dies als Manko? Donald Trump mag als Person so angreifbar sein wie kaum ein Präsident vor ihm. Doch er hat immer noch – Wahrheit hin, Wahrheit her – ein gutes Gespür für die realen Ängste vieler Menschen. Deshalb sollte man ihn auch für die Wahl in zwei Jahren noch nicht abschreiben.

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