Phil Neumann war von der rechtsextremen Schweizer Partei zu einer Gründerfeier neuer Ortsvereine eingeladen worden und sollte dort für einen "Balladenabend" sorgen, wie die PNOS ankündigte. Als Redner außerdem zu Gast war der einschlägig bekannte deutsche Neonazi Sven Skoda aus Nordrhein-Westfalen. Auf Antrag der Kantonspolizei St. Gallen verhängte die Schweizer Bundespolizei ein Einreiseverbot gegen den Sänger der Band "Flak". Dennoch konnte der Sänger der Band "Flak" in die Schweiz einreisen. Wie ist das möglich?

Der Mediensprecher der Kantonspolizei, Gian Rezzoli, erklärt: Das Einreiseverbot konnte im Ausland – also in Deutschland – nicht eröffnet werden und blieb daher unwirksam. "Die Grenzbehörden waren informiert, trotzdem gelang es dem Sänger mit deutscher Staatsangehörigkeit, unkontrolliert in die Schweiz einzureisen", so Rezzoli in seiner Mitteilung weiter. Unerkannt gelangte Neumann demnach in einem Auto bis zum Veranstaltungsort Kaltbrunn im Kanton St. Gallen.

Die beiden rechtsradikalen Gäste aus Deutschland brüsten sich nun mit diesem Erfolg. Auf Facebook schreibt Sven Skoda an seine Freunde, dass die PNOS von der Schweizer Polizei dazu aufgefordert wurde, die beiden "auszuliefern". Sein Eintrag liegt unserer Redaktion als Screenshot vor. "Zwischen den Zeilen hat die Polizei durchblicken lassen, dass man über den Zeitpunkt der 'Auslieferung' verhandeln könnte", um 'andere Maßnahmen' zu verweigern", schreibt Skoda weiter.

Skoda selbst hätte es wohl als Erfolg gesehen, wenn auch er ein Einreseverbot bekommen hätte. "Das ist nicht so, er ist freiwillig mit uns mitbekommen. Das Einreiseverbot lag ausdrücklich nur gegen den Sänger der Band Flak vor", erklärt Gian Rezzoli, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, auf Nachfrage.

Ferner liegt nun von ihm eine Richtigstellung vor: "Aus Gründen der Verhältnismässigkeit im Rahmen des Gesamteinsatzes entschied sich die Kantonspolizei St.Gallen, dem Mann erst nach seinem Auftritt das Einreiseverbot auszuhändigen. Um 22 Uhr wurde er in polizeiliche Räumlichkeiten verbracht. Dort ist ihm das Einreiseverbot eröffnet worden."

Skoda selbst schreibt in seinem Facebook-Eintrag, er und Phil Neumann habe sich "in die Obhut der Polizei begeben". Ferner ließe sich das Thema "durchaus auch politisch nutzen". So könnten sich die "Kameraden der PNOS" dank der "Abschiebung", wie er es immer wieder nennt, über zusätzliche Aufmerksamkeit freuen.

Die St. Galler Kantonspolizei verwehrt sich dem Eindruck, irgendetwas mit den deutschen Neonazis ausgehandelt zu haben. Laut Mediensprecher Gian Rezzoli sei Phil Neumann "kontrolliert an die Grenze geleitet" worden und daraufhin verließ er die Schweiz. Er ergänzt: "Erst jetzt, nach Eröffnung des Einreiseverbots, wird sich der Sänger – sollte er während der Dauer des Einreiseverbots nochmals in die Schweiz einreisen – strafbar machen."

Das Einreiseverbot gilt nach unseren Recherchen bis zum 7. November 2016. Sein Begleiter Sven Skoda fand das "alles in allem sehr unterhaltsam" und zieht folgendes Fazit: "Wir waren garantiert nicht das letzte Mal in der Schweiz."