Er hat es nie jemandem leicht gemacht, weder dem politischen Gegner noch seinen eigenen Parteifreunden – und schon gar nicht sich selbst. Mit Heiner Geißler verliert die Republik einen Politiker, der zeitlebens Klartext gesprochen hat, weil es ihm um die Sache ging und nicht nur um sein Fortkommen. Das machte ihn zu einer Ausnahmeerscheinung in der deutschen Politiklandschaft. Dieser Mann, das spürte jeder, hatte etwas zu sagen. Darum hörten ihm die Menschen zu, auch nachdem er alle Partei- und Staatsämter verloren hatte.

Gewiss erklärt sich Geißlers enorme Unermüdlichkeit auch aus seinem eigenen Lebenslauf. Am Schicksal seiner Familie konnte er ablesen, was es bedeutet, unter einem Unrechtsregime leben zu müssen. Geißler hielt die Demokratie nicht für selbstverständlich, sondern für eine Staatsform, um die man fortwährend kämpfen und streiten muss. Die Haltung hat sich keineswegs überholt. Auch deswegen werden seine Einwände fehlen.