Was sich Sahra Wagenknecht mit ihrer Idee einer linken Sammlungsbewegung ausrechnet, ist leicht nachzuvollziehen. Die Sozialistin ist überzeugt, dass sie ohne das Korsett ihrer Partei weit größere Chancen hätte, echte politische Macht zu erlangen.

Arbeitslose, prekär Beschäftigte, Senioren mit Mini-Rente oder Ostdeutsche mit anhaltendem Wende-Trauma wähnen sich in einem harten Verteilungskampf mit Flüchtlingen und machen ihr Kreuz inzwischen anderswo.

Vor allem in Ostdeutschland laufen einstige Linken-Wähler in Scharen zur AfD über. Wagenknecht will die Verlorenen zurückholen. Für Parteichefin Katja Kipping, ist das ein ungeheuerlicher Tabubruch. Sie und andere rückten Wagenknecht in die Nähe des Rechtspopulismus.

Doch ob Wagenknechts Rechnung aufgeht, ist fraglich. Am Ende könnte ein Wagenknecht-Alleingang nur für eines sorgen: Eine weitere Zersplitterung des deutschen Parteiensystems und instabilere politische Verhältnisse.