Johannes Kretschmann (40), der Sohn von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, hält die Kritik von SPD-Fraktionsvize Sascha Binder für unbegründet. Der Sozialdemokrat hatte in der Donnerstagsausgabe dieser Zeitung Winfried Kretschmann unterstellt, er protegiere seinen Sohn, in dem er ihm Funktionen in der Dialektinitiative der Landesregierung übertrage.

„Herr Binders Behauptung, die Bemühungen des Ministerpräsidenten zum Erhalt der Dialekte Baden-Württembergs seien lediglich familiär motiviert, ist tolldreist und realitätsfern“, erklärt Johannes Kretschmann in einer Stellungnahme, die dieser Zeitung vorliegt. Er arbeite als freischaffender Texter und verfüge über keinerlei akademische Anstellung oder Verankerung – „weder bezahlte noch
unbezahlte“.

Unentgeltliche Teilnahmen

Laut Staatsministerium hat Johannes Kretschmann an zwei Veranstaltungen ohne Honorar im Rahmen der Initiative teilgenommen. Zudem sei man bei fünf Reden im Austausch mit ihm gestanden. „Guter Rat ist ja bekanntlich teuer“, schreibt Kretschmann in seiner Stellungnahme. „In meinem Falle war er nicht
nur günstig, sondern sogar kostenlos.“ Zudem werde der SPD-Generalsekretär feststellen müssen, "dass wissenschaftlich qualifizierte Dialektologen in Baden-Württemberg nicht Schlange stehen“. Der Sohn des Ministerpräsidenten weiter: „Ich habe durch mein unentgeltliches Engagement auf jeden Fall niemandem den Platz weggenommen.“ Johannes Kretschmann hat nach eigenen Angaben in Berlin Religionswissenschaft, Rumänistik und Linguistik studiert und ist als freischaffender Texter tätig. Seit 2014 sitzt er für die Grünen im Kreistag Sigmaringen.

Süffisante Note in Stellungnahme

Die Vorwürfe aus der SPD haben dem Schwaben Kretschmann die Freude am Dialekt nicht verdorben. In der Stellungnahme fehlt es jedenfalls nicht an schwäbischem Humor. Es bleibe zu hoffen, dass sich mehr baden-württembergische Spitzenpolitiker mit dem Erhalt des Dialekts auseinander setzen, schreibt Kretschmann junior. „Dieser Wunsch richtet sich auch ausdrücklich an meinen schwäbischen Stammesbruder Sascha Binder.“ Und: „Mit seiner Anfrage hat er sich bisher lediglich als Glufamichel profiliert."

Das könnte Sie auch interessieren