Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne? Nach diesem Start sicherlich kaum. Die Spitzen von Union und SPD sind sich nach langer Quälerei endlich einig, doch beide Seiten zahlen einen hohen Preis. Das Ja zur großen Koalition rüttelt die Sozialdemokratie von Grund auf durch. Schulz rettet sich auf Kosten von Sigmar Gabriel ins Außenministerium, Nahles übernimmt die Parteispitze, der neue starke Mann im Kabinett heißt Olaf Scholz.

Die Entscheidung für den Hanseaten verrät, wohin für die SPD die Reise geht: Die Sozialdemokratie setzt nicht länger auf Pechvogel Schulz, sondern auf den Edel-Genossen aus Hamburg. Doch einmal mehr macht es der gescheiterte Kanzlerkandidat seiner Partei nicht leicht. Vor Wochen hatte er lautstark angekündigt, sich keinesfalls als Minister an Merkels Kabinettstisch zu setzen. Nun die Kehrtwende – und ein weiterer Verlust an Glaubwürdigkeit.

Was die Parteibasis davon hält, wird sich beim Mitgliederentscheid zeigen. Die größte Hürde kommt somit noch. Damit das Ergebnis vor der SPD-Basis Gnade finden kann, musste Merkel den Sozialdemokraten weit entgegenkommen. Die dickste Kröte ist zweifellos das Finanzministerium: Künftig bestimmt die SPD, für welche Vorhaben es künftig Geld gibt und für welche nicht. Kassenwart Scholz wird andere Akzente setzen als Wolfgang Schäuble, von der Sozialpolitik bis zu neuen Milliarden für Athen. Der Unmut im Merkel-Lager lässt sich absehen. Auch die Kanzlerin ist entzaubert. Sie regiert fortan auf Abruf und stützt sich auf eine Koalition, die jederzeit zerbrechen kann. Ihre letzte Amtszeit wird ihre schwierigste.