Donald Trump ist ein Präsident, der ganz anders sein will. Der auch etablierte Strukturen zerstören will, weil er sich davon am Ende Gutes erhofft. Doch Trump hat nicht begriffen, dass Worte, die er zu diesem Zweck oft vorschnell, provokativ und unüberlegt heraussprudeln läßt, Folgen haben können – nicht nur für die USA, sondern auch den Rest der Welt. Wenn er beispielsweise nach seiner Strafzölle-Entscheidung unter der Last der globalen Kritik plötzlich behauptet, dass Handelskriege etwas Gutes und leicht zu gewinnen sind, so zeigt dies eine hochgefährliche Ignoranz und Unkenntnis des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems. An den Börsen sind die Folgen dieses verbalen Aktivismus durch verstärkte Kursschwankungen in den letzten Handelstagen bereits deutlich geworden.

Dass der von Trump nun aktiv betriebene "America-First"-Protektionismus am Ende auch Jobs in den USA kosten könnte, wenn der Konsument unvermeidliche Preiserhöhungen im stahlverarbeitenden Bereich nicht mehr mitträgt und das Rezessionsgespenst auftaucht, scheint der Präsident nicht begriffen zu haben. Das würde auch für jene US-Bürger gelten, die weiter deutsche Autos aufgrund ihrer überlegenen Qualität bevorzugen und die am Ende die Leidtragenden von den ebenfalls angeregten Strafzuschlägen auf europäische Automarken wären.

Trumps jüngste Ideen haben aber auch deshalb eine verheerende Außenwirkung, weil sein Interesse an komplexen Zusammenhängen minimal ist und er es Berichten zufolge ablehnt, Memoranden zu lesen, die länger als eine Seite sind und die ihm Politik folgennah erklären. Doch die eng verknüpfte globalisierte Wirtschaft lässt sich eben nicht in nur 140 Zeichen einem Präsidenten erklären, der Informationen im Fast- Food-Stil bevorzugt. Ein Hoffnungsschimmer könnte – auch für Merkel, Gabriel und Co. – allerdings die notorische Wankelmütigkeit Trumps sein. Denn am Ende hat der Präsident bisher stets eines gewollt: Wenig Kritik und viel Bestätigung der eigenen Person.

Was der US-Präsident wirklich ernst meint und wie lange er an Vorschlägen festzuhalten gedenkt, ist allerdings oftmals nicht klar zu erkennen. Besonders deutlich wurde dies in der letzten Woche, die amerikanische Medien als "Chaostage im Weißen Haus" beschrieben haben. Sie haben zu dem Eindruck beigetragen, dass Trump die Kontrolle über seine Politik, sein Umfeld und auch sich selbst zu entgleiten scheint – auch zum Entsetzen seiner eigenen Partei. Das wurde besonders in der Waffendebatte nach dem Schul-Massaker in Florida deutlich. Wieder einmal scheint der Präsident seinem wichtigsten Berater, dem Bauchgefühl, gefolgt zu sein, als er spontan verkündete: Man könne doch Bürgern die Waffen wegnehmen, aber die gesetzlichen Grundlagen dafür eben später schaffen. Über diese Form von Demokratie- und Verfassungsverständnis schüttelten selbst Hardcore-Republikaner den Kopf – und allen voran die entsetzte Waffenlobby.

Familienklüngel statt Experten

Was führt zu so spektakulären Aussetzern? Man darf gewiss spekulieren, dass die Isolation Trumps, gekoppelt an eine notorische Überforderung des Präsidenten, zuletzt noch gewachsen ist. Seine wichtige langjährige Vertraute und Kommunikations-Direktorin Hope Hicks scheidet aus. Seinem Schwiegersohn und engen Berater Jared Kushner haben das FBI und Stabschef John Kelly die höchste Sicherheitsstufe verweigert, was Kushner – dessen internationale Immobiliengeschäfte, die ihn erpressbar gemacht haben sollen, zudem von Sonderermittler Robert Mueller unter die Lupe genommen werden – praktisch wertlos macht. Auch Tochter Ivanka, ebenfalls im "West Wing" angesiedelt, steht im Zwielicht. Heute rächt sich bitter, dass Trump nach seinem Sieg nicht auf politische Experten, sondern den Familienklüngel gesetzt hat. Denn die Weltmacht USA lässt sich aufgrund der Komplexität nationaler und internationaler Politik nicht wie ein Immobilienkonzern managen.