Seit dem Putschversuch des vergangenen Jahres betreibt die türkische Regierung eine Hexenjagd auf angebliche Staatsfeinde, bei der schon das Gerücht einer regierungskritischen Äußerung zu einer Haftstrafe führen kann. Erdogan-Kritiker sprechen von einem Marsch in den Polizeistaat. Doch jetzt zeichnet sich zumindest in einigen Aspekten ein Umdenken der Führung in Ankara ab. Der Grund dafür liegt vor allem im wachsenden Unmut in der Türkei selbst. Die Kritik aus dem Ausland spielt auch eine Rolle, wäre für sich alleine aber nicht stark genug, um einen Kurswechsel zu erzwingen. Erdogans Blick ist auf das Wahljahr 2019. Doch aus der Sicht vieler Türken ist Erdogan in letzter Zeit schlicht zu weit gegangen. Wirtschaftliche Probleme wie der Kursabsturz der Lira erhöhen den Druck auf Ankara. Rasche Grundsatzänderungen wie eine Rückkehr zum EU-Reformkurs früherer Jahre sind jedoch nicht zu erwarten, eher graduelle Erleichterungen: Erdogan wird darauf achten, nicht das Gesicht zu verlieren.