Es wird zur zynischen Routine: Wieder hat die Türkei zwei Deutsche festnehmen lassen. Wieder wird ihnen Sympathie mit den Putschisten vorgeworfen. Wieder muss sich Berlin mit trotzigen Rügen begnügen. Die nächste Eskalationsstufe mag man zumindest in der Bundesregierung nicht zünden. Sie hieße, die eigenen Landsleute offiziell vor einem Besuch am Bosporus zu warnen.

Dass wirtschaftlicher Druck wirkt, hat nicht zuletzt Wladimir Putin bewiesen: Seine Touristenflieger blieben am Boden, die russischen Gäste mieden Antalya. Erst als Erdogan einlenkte, wurde die russische Urlaubskasse wieder geöffnet. Ähnlich rigoros wird ein Rechtsstaat und international besonnener Akteur wie Deutschland nicht handeln. Doch alle, die den Sommer unter der türkischen Sonne verlängern wollen, sollten sich gut überlegen, was sie da tun. Handschellen statt All-Inklusive-Bändchen? Keine Vorstellung, die die Erholung sonderlich fördert. Und ein Zeichen der Solidarität haben auch die Inhaftierten verdient.